Cpt. OnPage – braucht die Welt ein weiteres SEO-Tool?

Mit Cpt. OnPage betritt ein weiteres Tool für SEOs das Rampenlicht. Und da kein geringerer als Mastermind Mediadonis dahintersteckt, darf man auch entsprechend gespannt sein. Doch was ist nun wirklich dran – und muss die Frage vielleicht eher lauten „braucht die Welt ausgerechnet auch noch DIESES Tool?“

Ja, die Welt braucht definitiv noch ein weiteres Tool

Denn seien wir mal ehrlich – jedes Tool da draussen hat doch ein paar Vorzüge, die es echt gut macht, aber doch auch mindestens genauso viele Lücken, die wir wieder mit einem anderen Tool zu kompensieren versuchen. Und dann ärgern wir uns, dass wir die Daten und Erkenntnisse aus zig Quellen nur mühselig in einen gemeinsamen Rahmen bringen. Ganz zu schweigen davon, dass es Dinge gibt, die einfach noch keines der Tools so richtig beherrscht. Den Fokus richtig setzen zum Beispiel. Also was sind die wirklichen Perlen in meinen hunderten oder tausenden Seiten, an denen ich arbeiten sollte, um leicht ungenutztes Potential freizusetzen? Das obliegt meist unserer intelligenten Einschätzung anhand irgendwelcher Kennzahlen, die wir unter Umständen aus mehreren Tools zusammentragen müssen.

Nein, die Welt braucht definitiv kein weiteres Tool

Weil – wie viele Tools soll ich denn eigentlich noch im Auge behalten? Wie viel Kohle solle ich denn noch ausgeben? Die ganzen Lizenzen sind ja für sich genommen alle erschwinglich, aber wenn ich drei oder vier davon brauch, um ein wirklich holistisches Bild zu bekommen, dann ist die stirnrunzelnde Nachfrage des Chefs vorprogrammiert. Schließlich reicht einem ja auch ein einziges Excel für die Arbeit und man braucht dazu nicht auch noch Numbers, OpenOffice und Google Docs (ok, Vergleich hinkt ein wenig, weil zwei davon nix kosten, aber so denken Nicht-Nerds halt nun mal. 😉

Aye-Aye, Captain!

Also ran ans Eingemachte… Die Arbeit mit dem Tool beginnt erfreulich unspektakulär. Anmelden, Domain eingeben – warten. Denn wenn’s um OnPage-Faktoren geht, muss ja erst mal gecrawlt werden. Aber zumindest in der closed Beta-Phase ging das erfreulich schnell. Ich hatte mich abends angemeldet und schon am nächsten Morgen waren 10.000 Seiten gecrawlt und bewertet – und die Anzeige voller roter Balken. Oh mein Gott, wie schlecht hab ich meinen Job gemacht???

Aber nach ein wenig Analyse, was da genau gemeldet wurde – Entwarnung. Der Großteil der Meldungen betraf Probleme, die in der Architektur bzw. dem CMS stecken und an denen wir sowieso schon arbeiten. Und der Rest – ja, in der Tat: da sind nochmal einige Sachen ans Licht gekommen, für die wir angesichts der schieren Masse an Seiten und Baustellen einfach noch keine Zeit hatten, die aber eigentlich Quick Fixes wären.

Konkret unterteilt sich die Auswertung in 6 Haupt-Aspekte, die sich auch sehr gut mit der Struktur decken, wie ich als Consultant „von Hand“ die Websites immer analysiert und bewertet habe: Server (Antwortzeiten, Status-Codes…), Meta-Elemente, Inhalt, Verlinkungen, Bilder und Architektur. Zu jedem Abschnitt gibt es mehrere Unterpunkte und ein wirklich schneller Überblick des größten Handlungsbedarfs. Zu jedem Bereich gibt es dann auch eine schöne Auflistung aller verbesserungswürdigen Seiten sowie ein Link zur Einzelseiten-Diagnose, die noch einmal gesammelt alle Bewertungspunkte dieser Seite anzeigt, so dass man, wenn man wegen eines Punktes sowieso schon an einer Seite rumschraubt, auch gleich die anderen Potentiale sieht und in einem Rutsch verbessern kann.

Genau an diesem Punkt hörte dann auch meine erste Betrachtung des Captains auf. Denn viel Zeit hatte und habe ich nicht übrig, um mir jedes neue Stück Software anzusehen und wenn es nichts gibt, was bei so einem oberflächlichen Scan ein besonderes „WOW“ bei mir auslöst, sehe ich auch keinen Grund, mehr Zeit dafür aufzuwenden. Ich gestehe daher: mein erster Eindruck war – tja, „just another onpage tool“ halt.

Die inneren Werte zählen doch…

Die tatsächlichen Vorzüge offenbarten sich mir erst bei der zweiten, ausführlichen Beschäftigung mit dem Tool. Bis dahin arbeitete ich weiter mit den Warnings und Recommendations, die SEOmoz so ausspuckt. Damit kommt man auch gut voran, aber irgendwie fühlte sich das immer ein wenig sperrig an. Deswegen zwang ich mich angesichts des bevorstehenden Launchs des Captains zu dem Versuch, die gleichen Arbeiten mal damit zu versuchen – und stellte fest, dass ich deutlich schneller vorankam!

Egal, bei welchem Aspekt man einsteigt, man landet immer bei der Einzelseiten-Diagnose und hat alle Optimierungspunkte für diese Seite auf einem Blick. In dieser Form geht das bei SEOmoz nur mit den OnPage Optimization Reports – die aber auch nur für die Seiten erstellt werden, für die man rankt. Alle anderen Seiten tauchen zwar in den Warnings auf, aber eben nur den jeweiligen Aspekt betreffend. Also wenn ich für eine Seite beispielsweise einen zu kurzen Titel gemeldet bekomme, werde ich nicht im gleichen Atemzug darauf hingewiesen, dass die Seite eine zu lange Meta-Description, keine ALT-Parameter bei den Bildern und kein Keyword in den Überschriften hat. Das erfahre ich dort nur, wenn ich jeweils in die Listen der Meta-Descriptions, Alt-Parameter und Überschriften gehe. Im Endeffekt kann es also passieren, dass ich eine Seite viermal bearbeite – anstatt nur einmal.

Sehr interessant finde ich auch, dass der Captain neben einem eigenen Wert namens OPR für die Wichtigkeit einer Seite auch den CheiRank berechnet und ausgibt, den ich sogar irgendwann vor Jahren mal ansatzweise verstanden und für genial gefunden habe. Da aber ausser Strucr leider niemand bisher diesen Wert verwendete, dümpelte er irgendwo in meinem Hinterkopf und verkümmerte inzwischen zum blossen Halbwissen „mit dem PageRank findet man Authorities, mit dem CheiRank findet man Hubs“. Höchste Zeit also, sich das nochmal im Detail anzulesen und endlich anzuwenden.

Fazit: Slaves Shall Serve!*

(*Slaves Shall Serve – official Video)

Zusammengefasst habe ich inzwischen jedenfalls einen sehr guten Eindruck vom Captain – wenn man ihn entsprechend einsetzen kann. Denn natürlich ist es wieder mal kein Über-Tool, neben dem man kein anderes mehr braucht. Aber es kann eines echt verdammt gut: Leute sinnvoll beschäftigen.

Wer wie ich die Aufgabe hat, mehrere große Websites mit jeweils tausenden von Artikeln und Aggregationen zu überwachen und OnPage zu optimieren, wird schnell feststellen, dass allein die Entscheidung, mit welchen Seiten sich die Hiwis Jungredakteure oder Praktikanten denn in der nächsten Woche beschäftigen sollen, ganz schön Zeit und Gehirnschmalz frisst. Dazu braucht es Crawls und Ranking-Daten, die man auswerten, filtern und in irgendwelche Excel-Listen zusammenfassen muss – und dann darauf hofft, dass auch wirklich alle kritischen Punkte auf der Seite beachtet werden.

Mit dem Captain hingegen muss ich eigentlich gar nichts mehr selbst auswerten, gewichten oder erklären. Ich setze da eine beliebige Hilfskraft hin, die ein bisschen mit dem CMS umgehen kann und sag „klick Dich beliebig in die Fehler rein und sortier nach dem OPR, da steht ja dann, was Du jeweils an der Seite machen solltest, also mach einfach ma“ – fertig. Sobald die Seite bearbeitet ist, gibt es sogar noch die Möglichkeit für einen Instant Refresh, so dass derjenige, der daran arbeitet, auch sofortiges Feedback seiner Änderung bekommt – und weiter zur nächsten Seite.

Natürlich kann das Tool nicht das Big Picture erfassen und abbilden. Also wenn beispielsweise Duplicate Content gefunden wird, kann es nur darauf hinweisen, aber die Ursache muss man immer noch selber finden und eliminieren. Logisch. Den Senior SEO kann und will das Tool nicht ersetzen. Aber es kann ihm sehr dabei helfen, die unliebsame Arbeit der Planung, Delegation und Kontrolle des OnPage-Schrubbens so gering wie möglich zu halten.

Alles in allem: Hut ab – ein echt gelungenes Tool! Vor allem, wenn man bedenkt, dass es gerade mal den Kinderschuhen entstiegen ist und noch weitere Features und Verbesserungen kommen werden.

Deswegen bin ich jetzt vor allem auf das endgültige Pricing gespannt. Denn trotz allen Lobes – Geld zu verschenken hat niemand von uns und wenn mich der Captain nochmal 25% mehr Tool-Budget kostet, wird das eine harte Verhandlungsrunde mit der Finanzabteilung. Oder ich muss einem anderen Tool Adieu sagen, was angesichts der guten persönlichen Beziehungen zu deren Betreibern aber auch nicht so leicht fällt… 🙁

12 Kommentare zu “Cpt. OnPage – braucht die Welt ein weiteres SEO-Tool?”
Frank 26. August 2012 um 15:16

Nun, also man sollte Sich meiner Meinung nach ein paar Tools raussuchen, es gibt mittlerweile soviele tools und man muss ja auch mit jeden richtig umgehen können, was ich festgestellt habe ist auch das manche tools fehler bekannt geben die wiederum auf anderen nicht angezeigt werden, und umgekehrt. hast Du gleiche Erfahrungen? von welchen tools würdest du ehr abraten?

[…] Testberichte – Danke an dieser Stelle an Toolmaster Eisy, Technical SEO Guru Timon, dem SEOdioten Markus & dem SEOnaut […]

Martin 27. November 2012 um 19:09

Ich bin der Meinung, dass die Welt mittlerweile mit mehr als genügend Tools versorgt ist. Wenn man sich nur mal die Vielzahl der Tools ansieht, die kostenlos diverse Dienste anbieten, da komme ich mittlerweile mit dem Bookmarken kaum noch nach und habe auch schon einige aus den Augen verloren. Sistrix reicht mir vollkommen aus und alle anderen können fast nie mehr.

[…] Markus Headbanger von Glamour und GQ – siehe SEOdiot […]

Andree 2. März 2013 um 13:58

Ich kann Frank da nur beipflichten. Man nutzt 5 verschiedene Tools und erhält 5 verschiedene Ergebnisse. Die Kunst besteht darin, sich aus den unterschiedlichen Parametern ein aussagekräftiges Ergebnis abzuleiten:-(

Nina 2. März 2013 um 20:50

Also meiner Meinung nach hat es Vorteile jedoch auch genügend Nachteile wenn man soviele Verschiedene Tools verwendet. Ich bin jedoch auch der Meinung das man sich aus allen Ergebnissen eine gute „Zusammenfassung“ zu finden.

Markus Pangasius 18. März 2013 um 14:13

Imnmer her mit neuen Tools und wenn es nichts taugt, dann wieder ab in die Schublade damit. Google passt ja auch ständig an, deshalb sollten (müssen) neue Tools entwickelt werden.

Sebastian Mart. 24. April 2013 um 15:12

Leider ist captain onpage ziemlich teuer und bietet keine Trial.
Also nichts für mich, für onpage gibs klasse Plugins für WordPress, braucht man kein Paid kram…

seodiot 4. Mai 2013 um 09:35

Also ich bin mir sicher, dass du auch eine Trial bekommst, wenn Du einfach fragst. Und der Preis ist relativ. Klar, für so nen Popelblog wie meinen hier rentiert sich’s natürlich nicht. Aber wenn Du mit einer Website ernsthaft Geld verdienst und die mal 2000 und mehr Seiten hat, dann sind 99,90€ für zwei Websites eigentlich nicht teuer.

Peter 29. Juni 2013 um 17:55

Wir hatten OnPage.org im Einsatz. Einmal drüber laufen lassen, alles angesehen und mögliche ToDos mangels Relevanz verworfen. Ich denke, dass es in der Branche so viele Tools gibt, weil es immer Menschen gibt, die einfach auf Tools stehen und sich die gleiche Arbeitserleichterung, die sie durch andere Tools erfahren, von einem neuen erhoffen. In seltenen Fällen ist das ja auch der Fall (ich sag jetzt mal MajesticSEO), in vielen leider überhaupt nicht und OnPage.org zähle ich dazu.

Zombie Filme Liste 27. August 2013 um 22:30

Ich brauche keine neuen Tools es gibt genug gute.

Frank 15. November 2013 um 18:18

Ich hab OnPage.org ebenfalls getestet und war leider enttäuscht. Die Tipps und Verbesserungsvorschläge wurden teilweise von anderen Tools die ich auch schon getestet hatte wieder als Fehlerhaft anerkannt. Was soll man nun glauben? Getreu dem Motto viele Köche verderben den Brei ist meine Meinung sich auf ein Tool zu beschränken. Das Königstool suche ich allerdings leider noch immer. Wenn jemand einen Tipp hat darf er / sie sich gerne melden.

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