Na endlich: man darf Analytics-Nutzer abmahnen!

Wie lange haben sie eigentlich auf diesen Moment gewartet? Mit den Hufen scharrend kaurten sie in ihren Startlöchern und freuten sich bereits auf die bald sprudelnden Einnahmen. Die Horden von Abmahn-Anwälten, die doch nur deswegen noch nichts gegen Analytics-Nutzer unternommen hatten, weil ihnen das Eisen wohl doch noch ein wenig zu heiß war. Nun aber – das El Dorado ist ausgebrochen!

Denn die Zeit des Wartens ist vorbei. Seit gestern gibt es eine Einigung zwischen Google und dem Düsseldorfer Kreis (bzw. dessen Hamburger Beauftragten, der es auch ganz stolz auf seiner Homepage verkündet – sorry, aber nen Keyword-Anchor gibts für Euch nicht und ein follow sowieso net). Und die sieht vor, dass man als Website-Betreiber, der Analytics einsetzt, vor allem erst mal eins machen muss: Papierkram.

Weil es reicht ja nicht, dass ich bereits die IP-Anonymisierung einsetze.
Und es reicht ja auch nicht, dass sich jeder User bereits selbst das inzwischen für alle gängigen Browser verfügbare Opt-Out-Plugin installieren kann.
Und vor allem reicht es nicht, dass ich sowieso keinen einzigen Website-Betreiber kenne, der mit den “personenbezogenen” Daten aus Analytics irgendwas mißbräuchliches anstellen könnte oder möchte.
Und am allerwenigsten reicht es, dass es offenbar sowieso 99,97% der von mir befragten Internetnutzer scheißegal ist, wenn Google Analytics mitbekommt, dass sie auf Seite XY waren. Es sei denn, es war eine Porno-Seite. Aber dafür haben die meisten ja auch schon die Inkognito-Modi der modernen Browser entdeckt.

All das reicht ja nicht. Nein, ich als Website-Betreiber muss jetzt auch noch einen “Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung nach den Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes” mit Google abschließen. In Papierform. Also ausdrucken und nach Hamburg schicken. Mit frankiertem Rückumschlag.

Mir dünkt, dieser Düsseldorfer Bund hat wohl ein paar Aktien der Deutschen Post? Da es laut DENIC rund 14,5 Mio .de-Domains gibt und die Post also an jedem dieser Verträge 1,10€ Umsatz macht? Honi soit qui mal y pence…

Aber egal. Sollen sie doch. Viel wichtiger ist aber: jetzte – ENDLICH – können die Anmahnanwälte loslegen. Denn jetzt ist es ja eindeutig: haddu Verdrach? Bisdu böse. Muddu latzen.

Mein Exemplar des Vertrags ist daher schon im Druckerspooler. Und weil ich schon immer etwas voreilendem Gehorsam erlag, wenn es um Juristisches geht, werde ich die Kopie meines von Google zurückerhaltenen Vertrags sicherheitshalber an Herrn Prof. Dr. Johannes Casper senden. Da er ja so um den Datenschutz der 85 Millionen Deutschen besorgt ist, wird er ja sicher auch ein starkes Interesse daran haben, ob und dass die 14,5 Mio deutschen Websites seinen mit so viel Mühe ausgehandelten Kompromiss mit Google tatsächlich einhalten. Weshalb ich ihm gerne mitteilen möchte, dass meine 5 aktiv betriebenen Websites das auch tatsächlich tun und ich ihm außerdem nochmal für seinen engagierten Einsatz zur Förderung des deutschen Internet-Commerce danken möchte.

Wer eilt gehorsam im Voraus mit?

12 Kommentare zu “Na endlich: man darf Analytics-Nutzer abmahnen!”
Mark - Webdesigner aus Hamburg 17. September 2011 um 10:37

Das ist aber lustig hier geschrieben. Und du hast sogar recht. Es ist ziemlich absurd das Ganze.

Vor allem kaum jemand mit den Daten aus GA etwas anfangen kann. Und kaum einer Blick da wirklich durch bei dem Teil. Also, warum nutzen? Warum der Datenkrake noch mehr in den Hintern stecken? Jeder Dienst, der nichts mit GOOGLE zu tun hat, ist ein Gewinn für uns alle.

Aber wozu brauche ich diese “Opt-Out-Plugin”? Magst du das mal erklären? Dank Dir!

seodiot 17. September 2011 um 10:50

Mancher Realität kann man einfach nur mit Humor begegnen, wenn man nicht an ihr verzweifeln will…

Warum Analytics nutzen? Wenn ich keinen Blindflug im Nebel machen will, was die Effektivität meiner Marketingmaßnahmen und die Qualität meines Inhalts angeht, brauche ich die Zahlen aus der Webanalyse, wo die Leute herkommen, welche Kanäle tatsächlich performen, wie sich die Leute auf der Website bewegen und wo also gute bzw. schlechte Content-Bereiche sind. Sonst kann ich meinen Dienstleistern ja gleich nen Blanko-Scheck ausstellen. Und was Flexibilität, Geschwindigkeit und einfachen Umgang angeht, gehört Google Analytics in der Sparte der kostenlosen Tools nun mal leider echt mit zur Spitze.

Das Opt-Out-Plugin kannst Du Dir installieren und fortan wirst Du beim Surfen von keinem Google Analytics mehr mitgetrackt. Also egal, auf welcher Seite Du Dich bewegst – wenn sie Google Analytics einsetzt, sehen sie Dich nicht mehr in den Statistiken. Was wie ich finde zwar totaler Blödsinn ist, weil Website-Betreiber nun mal diese Daten brauchen, um ihre Angebote besser zu machen, aber wenns der deutsche (und so nebenbei: NUR der deutsche) Datenschutz so will, dann gibt es halt diese Möglichkeit…

Mark - Webdesigner aus Hamburg 19. September 2011 um 09:41

Nun, ich nutze PIWIK http://de.piwik.org/
Das ist eine tauglich Alternative … von vielen zu GOOGLE Analytics, dass prinzipiell nur von Leuten genutzt werden kann, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als das Tracking zu analysieren.

Sandrachen 19. September 2011 um 11:33

Noch lustiger als da nen Wisch nach HH zu schicken finde ich den Passus darüber, dass ich ja vermutlich schon widerrechtlich Daten erhoben habe und die doch jetzt bitte zu löschen habe.

Öhm?! Ist klar.

UschaSu 24. September 2011 um 19:42

Ich stell mir gerade vor, wie Millionen solcher Briefe bei dem Hamburger Datenschützer eintrudeln. Eigentlich schade, dass das nur Wenige machen werden. Schon bei Hunderttausend dürfte der Archivar anfangen, ihn zu verfluchen ;-)

glitter 27. September 2011 um 16:47

ICH FINDE DAS NUR EINFACH GELDSCHNEIDEREI, evtl haben die noch nen abkommen mit der deutschen post wenn se nur 10 cent ab bekommen…. internet wird immer beklopter wa

habt ihr nix anderes zu tun?????? zb denn ganzen Pedofilen abschaum aus dem netz entfernen? das wer mal was sinvolles!

Mota 14. November 2011 um 16:38

Ich glaube dass Ich letztens irgendwo gelesen habe dass Sie die Abmahnungen auch erschweren wollen, so dass die Abmahn-Anwälte es nicht mehr so leicht haben um die Menschen auszunehmen. Früher oder später werden Diese ja hoffentlich auch an die Reihe kommen.

In Bezug auf “Piwik”: Gibt es da noch keine Gesetze oder sind die Gesetze bezüglich Google Analytics automatisch auch für vergleichbare andere Softwarelösungen gültig?

seodiot 14. November 2011 um 18:51

Piwik ist insofern aussen vor, weil man das selbst auf seinem Server installieren und betreiben muss. Damit bleiben die Daten “im Haus” und gehen nicht wie bei Analytics an Dritte. Somit ist man datenschutztechnisch auf der sicheren Seite.

Warner 18. Januar 2012 um 13:04

Aber mal ehrlich: Wer soll die Millionen von Briefen denn bearbeiten? Angst kann man wirklich nur vor diesen Anwälten bekommen. Arbeit und Kosten für nichts! Aber aufregen hilft nicht – man wird wohl handeln müssen wie SEOdiot.

Volker aus Hamburg 8. September 2012 um 19:46

Wenn man weiß, dass ein Großteil der Bundestagsabgeordneten Juristen sind, dann weiß man auch, warum die Abmahnanwätle weiternhin ungestört ihren lukrativen Geschäften nachgehen können.

Wer einen Webauftritt erstellt, sitzt nahezu immer auf einem Pulverfass. Denn: Vor Gericht und auf hoher See bist Du in Gottes Hand.

Robert 26. Januar 2013 um 14:38

Diese Abmahnwellen sind Schwachsinn! Blogger und Webmaster sollten sich vereinigen und dagegen vorgehen! Das ist nur Geldmacherei!!

Uwe 30. Mai 2013 um 12:21

Leider gibt es im Umfeld der deutschen Gerichte keinen vorauseilenden Gehorsam. Da kann man unter umständen trotzdem abgemahnt werden. Und dann dauerts. Ich bin müde, sehr müde.

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