Wer mir auf Twitter folgt, hats ja vielleicht mitbekommen. Die letzten Tage musste ich mich wiederholt über die Hermes Online-Sendungsverfolgung empören. Denn die Idee eines solchen Dienstes ist ja grandios – die praktische Ausführung von Hermes jedoch ist in der Tat so wertvoll wie ein kleines Steak. Also wenn Du wissen willst, wo Dein Paket ist – frag das Stück Fleisch im Kühlschrank, dann weißt Du genauso viel…
Ich fahre morgen mit meiner kleinen Göttin in Urlaub. Erst Bamberg, Freundin besuchen, dann Hamburg, Reeperbahn unsicher machen, anschließend weiter aufs Wacken Festival und danach dann noch spontane ein oder zwei Tage irgendwo an der Nordsee. Da mir Kartenlesen schon in die Wiege gelegt wurde und ich bisher immer überall hinfand, habe ich mich bisher geweigert, mir ein Navi zuzulegen. Letztens durfte ich aber doch mal die Vorzüge eines Navis zu schätzen lernen, vor allem wenn man mal von der Route weg muss und beispielsweise eine Tankstelle sucht. Oder ein Restaurant. Am Montag kam daher der spontane Entschluss: im Budget ists locker noch drin, also was solls. Erspar Dir das Ausdrucken von Google Maps (so nebenbei: gehören solche Leute jetzt eigentlich auch zu den "Internet-Ausdruckern"? ;o) ) und das Lesen während des Fahrens – cruise lieber entspannt durch Hamburg, lass Dich von einem Profi zum Hotel leiten und bekomm so auch noch was davon mit, was um Dich rum passiert und welche Schönheiten Hamburg im Vorbeifahren zu bieten hat.
Also am Montag Vormittag bei ebay geordert, sofort per PayPal bezahlt, Verkäufer angeschrieben, um sicherzustellen, dass es bis zum Urlaub hier ist, Bestätigung bekommen, dass es schon verpackt ist und auf dem Stapel für Hermes liegt – und seitdem weiß ich nichts darüber, wo es jetzt im Moment ist, also ob es noch rechtzeitig kommt oder nicht.
Am Dienstag stand den ganzen Tag über noch sowas wie "Informationen hier in Kürze" in der Online-Sendungsverfolgung. Aha.
Am Mittwoch las ich "Ihre Sendung ist im Verteilerzentrum angekommen". Soso. Sehr interessant. Ähm – in welchem Verteilerzentrum denn? Da es am Dienstag früh beim Versender in Nürnberg abgeholt wurde – also innerhalb von 24 Stunden könnte es ja eigentlich schon die paar Kilometer bis zu unserem Münchener Verteilerzentrum zurückgelegt haben. Oder etwa nicht? Liegt es vielleicht tatsächlich noch in Nürnberg rum? Nichts genaues weiß man nicht…
Am gestrigen Donnerstag dann die Aufklärung: "Informationen hier in Kürze". Ui. Gut zu wissen. Es war also schon mal in einem Verteilerzentrum und ist jetzt – ja, wo auch immer. Ich werde es jedenfalls in Kürze erfahren.
Jetzt gerade habe ich nochmal reingesehen, denn langsam werde ich doch ein wenig nervös – und hurra! Da steht tatsächlich: "Die Sendung ist auf Tour gegangen". Juhu, das freut mich aber für mein kleines Navi! Es durfte tatsächlich auf Tour gehen! Wohin? Ach, das ist doch nebensächlich. Hauptsache, das Ding hat Spaß, oder?
Also Leute, wer auch immer bei Euch für dieses System verantwortlich ist: bitte überdenkt doch nochmal, was Ihr da für Informationen ausgebt. Mir als Kunde ist doch am wichtigsten, dass ich abschätzen kann. WO das Paket gerade ist. Also in welcher Stadt. Die Information, dass es in einem Versandzentrum liegt oder gerade auf Tour gegangen ist, ist ohne Ortsangabe einen feuchten Pfiferling wert. Nur wenn ich da sehen kann, dass es schon recht nahe bei mir angekommen ist, kann ich doch auch abschätzen, ob es heute an der Tür klingelt oder nicht. Klar, wenn man ständig zu Hause ist, ist das auch kein Problem. Aber wenn man arbeiten und deswegen den Nachbarn Bescheid geben muss, ob an dem Tag von denen jemand daheim ist, damit man einen kleinen Zettel für den Hermes-Menschen hinterlegen kann, dann ist das schon wichtig zu wissen. Und natürlich hätte ich es mir auch ins Büro schicken lassen können – aber wehe, wenn Ihr trödelt und es würde erst morgen zugestellt, wenn dort niemand ist und erst am Montag in Empfang genommen werden kann, wenn ich schon die Odyssee durch Hamburg hinter mir habe. Außerdem habe ich schon erlebt, dass irgendwelche Nebenjobbler für Hermes erst abends die Sachen ausfahren. Nönö, dann lieber nach Hause liefern lassen und einen Tag mehr Luft haben, um Lieferverzögerungen abzufangen, da wir morgen erst spät nachmittags losfahren. Aber hey, warum rechtfertige ich mich eigentlich dafür, wo ich mir meine Bestellungen hinschicken lasse? Ich sollte vielleicht eher fragen, warum es mit Eurem "Kurierdienst" satte drei Tage dauert, um ein kleines Päckchen die lächerliche Strecke von Nürnberg nach Freising zu karren?
Ach, warum reg ich mich überhaupt auf…?
Warum? Weil derartige Fehler sicher jeder von uns schon mal gemacht hat, wenn es um Websites geht. Gerade wir mit Programmierer-Hintergrund leiden oft an einer gewissen Betriebsblindheit. Wir wissen, was gemeint ist, wenn wir sowas wie "Fehler beim Einlesen" als Meldung ausgeben, denn wir wissen ja auch, bei welcher Operation wir diese Meldung überhaupt ausgeben. Aber der Bediener? Der hat keine Ahnung, ob das jetzt beim Hochladen der CSV-Datei, beim Verarbeiten selbiger oder erst beim Abspeichern in der Datenbank gekracht hat und was er tun soll.
Und deswegen möchte ich dieses Beispiel auch als Denkanstoß an alle unter uns schicken, die mit irgendwelchen Systemen arbeiten, die einen Status oder Fehlermeldungen ausgeben. Denkt mal drüber nach, ob das, was Ihr da ausgebt, für den Benutzer wirklich Sinn macht.
Ein guter Tipp hierzu, den mir mal ein Programmier-Profi von Microsoft (ja, ich weiß, das ist ein Witz für sich, aber der war im Developper-Support und hatte daher nichts mit den nicht minder kryptischen Meldungen von Windows zu tun) gegeben hat: Wendet für jede Meldung vier W-Fragen an:
- Was genau ist passiert?
- Wann ist das aufgetreten?
- Warum ist das passiert?
- Wie geht es weiter? (also im Falle eines Fehlers: wie kann ich ihn beheben?)
Nicht, dass ich selber da immer das beste Vorbild wäre, aber wer sich an diese Fragen hält und diese in seinen Status-/Fehlermeldungen von vorne herein beantwortet, der wird deutlich qualifiziertere Anrufe in der Hotline haben – und viel weniger nägelkauende Benutzer vor den Bildschirmen…
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Eine gewisse Demenz hilft hier ganz gut. Immer wenn ein Kollege mich zu etwas fragt, wo er felsenfest der Überzeugung ist, ich hätte das doch programmiert, kommen mir Zweifel an meinem Erinnerungsvermögen. Es freut mich umso mehr, wenn es umgekehrt genauso passiert. Jedenfalls passiert das scheinbar jedem Programmierer, der das schon ein wenig länger macht. Und solche kennen dann auch ihre eigenen Fehlerbeschreibungen nicht mehr. Weswegen sie in der Regel auch solche benutzen, die ihnen nach Jahren noch etwas sagen.
Oder auch anders ausgedrückt: Ein Lob den Programmierern, die von ihrer eigenen Vergesslichkeit überzeugt sind.
PS: Hermes_Pakete sind bei mir schon angekommen, bevor sind in der Sendungsverfolgung überhaupt etwas tat.
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Haha, das hat mir sehr gefallen, Horst! Finde deine Idee für die Demenz schon sehr gut… Toller Blog, gefällt mir sehr.
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