Quiz: Vermarktung eines Produkts mit begrenzter Produktionskapazität

Da ja Gewinnspiele und Wettbewerbe jetzt irgendwie in sind – der SEOdiot hätte da jetzt auch mal eins: es geht um einen 25€-Gutschein für individuell hergestellten Schmuck.

Stell Dir vor, Du hast ein mit solider Handwerkskunst und einer gehörigen Portion Kreativität und künstlerischem Talent erzeugtes Produkt, das wirklich aus dem Rahmen fällt, daher eine enorme Nachfrage besteht und Du auch schon eine beachtliche Fan-Gemeinde aufgebaut hast (also Pro Monat hast Du rund 100 Leute, die nach Deinem Namen googeln).

Stell Dir weiterhin vor, dass nur Du dieses Produkt in solcher Qualität herstellen kannst, dass die Nachfrage so hoch bleibt, wie sie ist, weil es Maschinenware natürlich günstiger gibt und Deine “Handmade”-Qualität ein wichtiger USP ist, der viele Leute zum Kauf bewegt.

Und stell Dir auch vor, dass zusätzlich zu dem Ganzen auch der Preis des Produkts noch innerhalb eines bestimmten Rahmens bleiben muss, um auch weiterhin auf eine so hohe Nachfrage zu stoßen, da die Grenze zwischen “wow, haben muss” und “umpf, zu teuer” bei dieser Art Produkte relativ dünn ist bzw. auf einmal ein Sprung in der möglichen Klientel stattfindet und zum Zusammenbruch führen kann. Konkret: Dein Produkt läuft hauptsächlich deswegen so gut, weil das Design doch eher schwächere Käuferschichten anspricht, Du aber einfach nur in dieser Art Design so herausragend bist, wie Du bist.

Stell Dir weiterhin vor, dass Du wegen der begrenzten Produktionskapazität dieses Produkts sowie der hohen Nachfrage mit der Zeit so weit reingerutscht bist, dass Du auf einmal realisierst, dass Du einen 18-Stunden-Tag und eigentlich gar kein Wochenende mehr hast – und die Warteschlange noch dazu für 2 Monate voll ist, was langsam aber sicher auch zum Zusammenbruch führt, weil viele nicht so lange warten möchten und dann doch woanders hingehen.

Wie schaffst Du es nun also, diese Situation, die kein Mensch auf Dauer aushält, ohne zusammenzubrechen, in einen normalen 8-10-Stunden Tag mit maximal drei Wochen Wartezeit umzuwandeln, ohne

a) weniger zu verdienen, denn so richtig reich bist Du bisher ja wegen der zwangsweise nicht allzu hohen Preise auch nicht davon geworden,

b) den Preis in etwa zu verdoppeln, was ja nötig wäre, um in weniger Zeit das Gleiche zu verdienen, wobei dann aber wie erwähnt viele sich nicht mehr Dein Produkt leisten sondern trotz schlechterer Qualität und der fehlenden Möglichkeit zur Individualisierung billige Maschinenware (“von der Stange” oder “aus dem Kaugummiautomaten”) in Kauf nehmen würden

c) Dich auf lange Suche nach einem zweiten möglichen Hersteller des Produkts (bzw. Lieferanten der Dienstleistung) zu machen, bei dem Du aber voraussichtlich Abstriche bezüglich Deiner eigenen und von Deinen Kunden und Fans so geschätzten Qualitätsansprüche hinnehmen müsstest

und

d) einfach nur der Klientel und damit möglichen höheren Preise wegen in andere Design-Richtungen gehst, in denen Du aber einfach nicht so gut bist wie in Deiner persönlichen Nische, wo Du deutschlandweit vielleicht auf ein, zwei Handvoll Künstler kommst, die das so gut hinbekommen.

Unter allen, die auf diese Fragestellung unter Einhaltung der vier Richtlinien einen sinnvollen Ansatz geben können, verlose ich am Ostersonntag einen 25€-Gutschein bei der Websites des Projekts, um das es hier geht.

Also ran an die Tasten – jeder Ansatz ist willkommen!

Und nein, es geht nicht um meine eigene Arbeit und auch nicht um einen meiner Kunden. Und ich bin auch nicht zu doof für die Beantwortung dieser Frage für ein “normales Unternehmen”. Es geht um meine Ex-Frau, die selbständige Goldschmiedin ist, deren Schmuck-Website ich nebenher noch mache und der ich auf dieses Problem im Moment selbst irgendwie keine Antwort geben kann, da die Vermarktung von Künstlern wegen der natürlich begrenzten Produktionskapazität ja irgendwie nach anderen Regeln funktioniert und ich deswegen mit meinem üblichen Latein ehrlich gesagt nicht recht weiterkomme…


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