Fireball Relaunch Mitte März 2009 – der Google-Killer?
Abgelegt unter: SEO-NewsUi, das wäre mir ja fast entgangen, wenn ich es nicht zufällig als Nebenmeldung in einem meiner vielen abonnierten RSS-Feeds gelesen hätte. Fireball, ihresgleichen die älteste deutsche Suchmaschine, hat Mitte März 2009 einen Relaunch hingelegt. Zeit also, sich das mal genauer anzusehen.
Nun, der erste Eindruck ist: aufgeräumt! Irgendwie fühle ich mich ein wenig an Google erinnert, was die Startseite angeht. Ein Eingabefeld, ein Such-Button, ein wenig Logo und eine kleine Footer-Zeile. Passt. Mehr braucht man wirklich nicht, wenn man sucht.
Aber wie stehts nun um die "Qualität" der Suchergebnisse? Ich erlaube mir mal ein paar selbsterfundene Praxistests:
Test 1: Konkrete Produktsuche
Aufgabe
Ich möchte einen neuen Tee. Da ich aber wegen ungünstiger Öffnungs- bzw. Arbeitszeiten nicht in meinen Lieblings-Teeladen in der Freisinger Innenstadt komme, gucke ich mich online um. Ich erinnere mich, dass "Towkok" ein echt verdammt leckerer Tee war. Also gehe ich zur Suchmaschine und suche dort einfach nach "Towkok".
Google gibt mir sofort als erstes Ergebnis eine Shop-Seite und zwar eine Produkt-Detailseite von naturideen.de. Das angebotene Produkt ist ein "Towkok Top of the season Assam" – also wirklich genau das, was ich suche.
Fireball
Fireball listet dagegen auf Platz eins die Startseite von Eibls Teekontor. Ein Klick darauf – und ich sehe überhaupt nichts von Towkok. Ach ja, da links sind ja die Kategorien. Also Towkok war auf jeden Fall ein Schwarztee, das heißt ich klicke einfach mal da drauf. Ohje. Eine lange Liste. Obwohl – lang ist sie ja nicht wirklich, da nur drei Produkte pro Seite aufgelistet sind – aber das dafür über insgesamt 33 Seiten verteilt. Mag ich mich da jetzt echt durchklicken? Oh – halt! Da rechts oben ist ja ein kleines Feld für eine Suche! Also tippe ich dort doch mal Towkok ein – und finde direkt einen "Assam Towkok TGFOP". Naja, das könnte schneller gehen…
Auf Platz zwei gibt Fireball übrigens eine Produkt-Detailseite von Eibls Teekontor aus. Allerdings ist diese für den "Formosa Sencha Vanille" und hat deswegen mit meiner Suchanfrage in etwa so viel zu tun wie – nun ja, das dürft Ihr Euch selbst denken.
Auf Platz drei finde ich mallux.de, also eine der unzähligen Shop-Suchmaschinen. Aber dieses Suchergebnis bringt mich auch wieder nur zur Startseite von Eibls Teekontor…
Auf Platz vier dann – hurra, endlich ein Link, der mich direkt zu einer langen Angebotsliste vom schweizer Tee Fischer bringt und wo ich fast am Ende der Liste einen Towkok finde! Die eigentlich viel treffendere Detailseite dieses "Goldblatt Assam FTGFOP1 Cl.Spl. Towkok" finde ich jedoch nicht im Fireball-Angebot. Obwohl – dieser OSCommerce ist nicht suchmaschinenoptimiert und arbeitet auch noch mit Session-IDs in den URLs. Da könnte wohl auch Google Probleme bekommen. [Korrektur: wenn ich nach genau diesem Produktnamen in Google suche, finde ich die Seite sofort - zwar wird eine Popup-Version als erstes Ergebnis angezeigt und die eigentliche Produktseite erst als zweites, aber immerhin!]
Fazit
Mit Fireball brauche ich anscheinend deutlich mehr Klicks, um überhaupt etwas sinnvolles zu meinem Produktwunsch zu finden, da ich wohl oft auf Startseiten und langen Übersichtsseiten, nicht aber direkt mit einem Klick auf Produkt-Detailseiten lande.
Test 2: HowTo-Suche
Aufgabe
Ich habe bei einem Blog-Hoster wie WordPress.org, blog.de, blogspot.com oder anderen meine ersten Erfahrungen mit dem Bloggen gemacht, es macht mir enorm Spaß und ich habe viele Ideen, was ich draus machen könnte – aber der Hoster erlaubt das nicht. Also habe ich mich schon mal so schlau gemacht, dass ich meinen Blog ja auch selbst betreiben kann, wofür ich eine Domain und einen Webserver brauche. Das ist beides nicht schwer zu haben und teuer ist es auch nicht, aber wie installiere ich jetzt eigentlich dieses WordPress? Tja, da gehe ich doch einfach mal zu einer Suchmaschine und tippe dort "Wordpress installieren" ein.
Google spuckt mir als erstes Ergebnis die 5-Minuten-Installationsanleitung von doku.wordpress-deutschland.org aus. Cool. Eigentlich haargenau das, was ich gesucht habe, da es echt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung ist. Und wenn was nicht funktionieren sollte, bin ich ja gleich auf der Herstellerseite, wo ich sicher Support oder ein Forum oder sowas finde. Und der Download-Link ist da ja auch gleich – passt!
Fireball
Fireball gibt mir als erstes einen Link zu Gordon’s Blog aus. In dem Gordon mir erzählt, wie er sein WordPress installiert hat. Halt, eigentlich erzählt er mir ja ohne weitere Details nur, dass die Installation reibungslos funktioniert hat, er aber noch so eine Idee hätte, was die Sicherheit betrifft. Irgendwas mit wp-admin. Nö, das hilft mir jetzt leider nicht wirklich was. Ich will erst mal das Ding überhaupt zum laufen bekommen, dann mache ich mir Gedanken um sowas.
Also ab zu Ergebnis Nummer zwei: ein Blog-Eintrag auf blogshop.de, in dem es darum gehen soll, wie man WordPress unter XAMPP installiert. Worunter? Was ist XAMPP? Mein Hoster sagt doch, Ich hab dort Apache? Aber mal sehen – aha, eine fast leere Seite. Mit einem Link zu einem illustrierten Tutorial. Also noch ein Klick. Dort angekommen sehe ich, dass es erst mal darum geht, was XAMPP überhaupt ist, wie man dieses Paket zum laufen bringt, wie man eine Datenbank einrichtet und wie man schließlich WordPress installiert. Aaah – also doch ziemlich genau das, was ich gesucht habe? Doch halt: da steht ja was davon, dass es im Tutorial darum geht, das Ganze lokal auf meinem heimischen PC einzurichten. Aber ich möchte doch auf meinem Webserver…? Naja, besser als nichts, aber dennoch: zurück zu den Suchergebnissen…
Und hurra! Auf Platz 3 finde ich dann endlich die 5-Minuten-Installationsanleitung von wordpress-deutschland.org!
Fazit
Also nicht, dass die ersten beiden Ergebnisse wirklich schlecht gewesen wären, aber so richtig das, was ich eigentlich erwartet hätte, ist es ja auch nicht gewesen. Also wieder mal: mit Fireball brauche ich deutlich länger, um ans Ziel zu kommen.
Test 3: Informationssuche
Aufgabe
Tatsächlich so passiert: Meine Freundin hat mich endlich dazu überredet, dass wir uns Meerschweinchen zulegen. Und seit letzten Dienstag haben wir nun auch die zwei süßesten, putzigsten, knuddeligsten Fressmaschinchen überhaupt. Da ich vorher aber noch nie was mit Meerschweinchen zu tun hatte, möchte ich mich vorher natürlich informieren, was die überhaupt so fressen, was man ihnen geben darf, was überhaupt nicht, was es eher seltener geben soll und so weiter. Also ab zur Suchmaschine und nach "Meerschweinchen Futter" gesucht…
Das erste Ergebnis, das Google mir gibt, ist von meerschweinchen-ratgeber.de. Dort finde ich direkt auf der Seite, auf der ich lande, eine übersichtliche Liste mit Links zu detaillierten Artikeln über Heu, Grünfutter, Wasser, Trockenfutter, Knabberstangen und und und. Wow. Genau das wollte ich wissen!
Fireball
Erstes Suchergebnis: zooplus.de – ein Shop. Aber nein, ich will kein Futter online kaufen. Ich will wissen, was ich ihnen außer dieser Industrieplörre Gutes tun kann, also welches Gemüse, Obst, Heu, Gras, Nüsse oder was auch immer. Einfach in ein Geschäft gehen und ne Dose kaufen, wo "Meerschweinchenmampf" draufsteht, kann ich auch ohne Internet…
Zweites Suchergebnis: bitiba.de – "Meerschweinchenfutter zu Discountpreisen…". Ähm, sagte ich nicht, dass…?
Drittes Suchergebnis: nochmal zooplus.de. Diesmal mit einer Bewertungsseite eines bestimmten Produkts. *hüstel*
Viertes Suchergebnis: meerschweinchen.nagetiere-online.de – aha! Da geht es endlich mal um die Frage "Für Meerschweinchen geeignetes Trockenfutter". Ist zwar auch nicht so ganz das, was ich suche, aber vielleicht täuscht ja der Titel. Mal sehen. Soso, da steht also, dass auch erfahrene Züchter von Trockenfutter abraten und man auf jeden Fall frisches Futter verwenden sollte. Aber wo ist jetzt ein konkreter Hinweis darauf, was ich ihnen stattdessen geben kann, soll und darf? Oh – fast übersehen: da links ist ja ein Menüpunkt "Ernährung" und da finde ich tatsächlich einiges zur Auswahl…
Fazit
Ich wiederhole mich ungern, aber mit Fireball brauche ich deutlich länger, um…
Resümee
Natürlich sind das jetzt nur drei von vielen möglichen Beispielen und die hab ich mir recht willkürlich ausgedacht. Allerdings habe ich sie auch nicht "getuned", d.h. ich habe mir drei grundlegend unterschiedliche Arten von Suchabsichten ausgedacht, jeweils ein konkretes Beispiel dazu überlegt und es spontan durchgezogen. Keinesfalls habe ich extra lange nach Beispielen gesucht, wo Fireball besonders schlechte Ergebnisse liefern würde. Also denke ich mal, dass es ein zumindest annähernd praxisnaher Test ist.
Aber was sagt uns das Ergebnis nun eigentlich? Fireball hat ja im Vergleich zu Google dreimal sowas von versagt – heißt das nun, dass Fireball automatisch schlecht ist? Nein, eigentlich nicht. Denn man findet ja durchaus auch, was man wirklich sucht. Es dauert nur ungleich länger.
Ich interpretiere es daher so: egal wie sehr man Google verflucht und wie oft wir SEOs uns darüber ärgern, warum sie zum Kuckuck nochmal nicht unsere Seite ganz nach oben stellen – aus Benutzersicht sind die Ergebnisse nun mal wirklich verdammt gut und man kommt extrem schnell ans Ziel. Und das ist eben etwas, woran die anderen Suchmaschinen noch ziemlich arbeiten müssen. Denn auch wenn ich mich hier jetzt so auf Fireball gestürzt habe – ich gehe nahezu jede Wette ein, dass ein Vergleich mit MSN und Yahoo (die übrigens die Daten für Fireball liefern) oder möglicherweise auch den meisten anderen "Nischensuchmaschinen" genauso ausfällt.
Oder habt Ihr gegenteilige Erfahrungen? Gibt es wenigstens ein paar Beispiele von Problemstellung, dazu sinnvoll passender Suchanfrage und daraus resultierendem, totalen Müll von Google sowie glänzenden Ergebnissen von Yahoo bzw. MSN? Falls ja, würden mich die interessieren, also nutzt fleißig die Kommentarfunktion, ja?
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Nun ja da hat es sich jemand besonders einfach gemacht. Und bedient sich nun am Yahoo Boss Acocunt. Ich halte es weder für eine Kunst noch für eine tolle Idee.
Aber danke für´s vergleichen.
Antworten
seodiot Reply:
März 30th, 2009 at 22:07
Da denke ich ähnlich. Ich habe jetzt zwar noch keine Vergleiche zwischen Fireball und Yahoo gemacht, aber ich bin einfach kein Freund von “Kopien”. Naja, angesichts der zu erwartenden Marktanteile verstehe ich aber auch, dass keiner mehr in eigene Crawler-Technik investieren möchte, geschweige denn kann…
Antworten
Vielen Dank für den interessanten Google Vergleich.
Als Fireball Mitentwickler hat für uns das Nutzererlebnis die höchste Priorität.
Wir arbeiten sehr intensiv daran die Suchresultate zu verbessern. Dazu nutzen wir eigene Crawler, eigene Algos aber auch viel redaktionellen Einsatz zur Verbesserung des FIREBALL indexs.
Der FIRERBALL Index konzentirert sich auf die 2-5000 wichtigsten Suchanfragen.
Im “long tail” arbeitet FIREBALL mit Yahoo zusammen.
Warum soll ein Nutzer zu FIREBALL wechseln?
1. Google bestimmt mit seienm Marktanteil von über 90% in DE, wer welche Webseiten findet.
Coca Cola hat Pepsi, Aldi hat Lidl und Google hat niemanden. Fireball bietet dem Suchenden eine Alternative. Das Ziel ist Wettbewerb bei der Internetsuche.
2. FIREBALL steht für ein offenes Internet. Fireball liefert keine eigene Inhalte. Ziel ist es, die besten Resultate aus Deutschland zu Unterstützen.
Hintergrund:
Nachdem Google den Suchmarkt kontrolliert kauft oder bauts sich Google jetzt auch die wichtigsten Inhaltsseiten (YouTube, Blogger, Analytics, Googlemail, Knol und viele mehr).
Immer öfter erscheinen diese Dieste auf der 1. Suchseite bei Google. Die News-Seiten werden von Goolge immer genauer abgekupftert. Auch hier kontrolliert Google wer welche Nachrichten erhält. Die Kombination der Kontrolle fast aller Suchenden und der Besitz der Inhalte führt zu Interessenskonflikten, Wettbewerbsverzehrung und mittelfristig zur Monopolisierung des ganzen Internets.
Das darf nicht sein. Es kann nicht nur Einen geben. FIREBALL arbeitet mit vielen Partnern an einer Öffnung des Internets. Den das Internet muss frei bleiben.
3. Fireball garantiert keine privaten Nutzerdaten zu speichern oder gar mit Suchabfragen zu verknüpfen. FIREBALL steht für Ethik im Netz.
Währe es nicht im Interessen der Suchenden aber auch der SEOs Fireball etwas wohlwollender zu Beurteilen?
Antworten
seodiot Reply:
April 5th, 2009 at 12:07
Hallo Vincent,
vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar, über den ich mich sehr freue.
Und natürlich unterstütze ich diesen grundsätzlichen Bedarf an einer Alternative zu Google. Gerade weil ich SEO bin, habe ich Zugriff zu vielen Website-Statistiken und sehe daher täglich, dass oft selbst ein Platz 1 sowohl in Yahoo als auch MSN zusammengenommen immer noch weniger Besucher bringt als ein Platz 10 oder sogar 20 in Google. Dementsprechend ist leider vielen meiner Kunden eine gute Platzierung in diesen beiden “Alternativen” auch ziemlich egal und das einzige, was sie wirklich als Erfolg honorieren, ist eine entsprechend gute Platzierung in Google. Also auch wenn jeder vernünftige SEO immer predigt, sich nicht so extrem auf Google zu reduzieren – de facto müssen wir mit dieser Forderung unserer Kunden leben, denen es ja schließlich um die Besucher-Anzahl geht, die sie für ihr Geld bekommen und nicht um irgendwelche “Prestige-Platzierungen”.
Auf das reale Leben übertragen: wenn ich eine Werbeagentur beauftrage und die mir für mein Geld nur Anzeigen in auflagenschwachen Magazinen bringt – da würde ich auch überlegen, das Budget zu einer anderen Agentur zu schieben, die mich auch in den Focus, die Süddeutsche oder andere Blätter bringt und ich einen wirklichen “Rumms” bei den Anfragen oder dem Absatz spüre.
Wir stehen also in dem Dilemma, dass “guter Service” bei SEO nicht darin besteht, irgendwelche Platzierungen zu erreichen, sondern in der Anzahl der generierten Besucher gemessen wird. Und genau das erreichen wir im Moment eben fast nur darüber, dass wir unsere Kunden bei Google ganz nach oben bringen, nicht bei MSN oder Yahoo.
Doch deswegen habe ich meinen “Test” auch einfach mal aus der Praxis des Suchenden entwickelt. Ich habe ein Anliegen, also schauen wir doch einfach mal, wo ich am schnellsten zum Ziel komme. Und wie im Beitrag erläutert – Google hat mir nun mal leider immer auf Anhieb geholfen, wohingegen ich bei Fireball drei oder noch mehr Klicks brauchte. Aus reiner Anwender-Sicht muss ich also sagen, dass Google zu Recht absoluter Marktführer ist, da sie extrem gute Ergebnisse liefern.
Und genau da hinkt dann nämlich der Vergleich mit Aldi, Lidl, Coke, Pepsi und dergleichen. Diese bieten alle absolut gleichwertige, hochwertige Produkte (im Falle der Discounter oft sogar genau die gleichen Markenprodukte, nur evtl. zu einem unterschiedlichen Preis). Genau das ist aber bei Suchmaschinen überhaupt nicht der Fall. Die Qualität der Ergebnisse ist aus Sicht der Suchenden wie gezeigt deutlich unterschiedlich. Und deswegen wird eine echte Alternative zu Google in erster Linie daran arbeiten müssen, mindestens die gleiche Qualität zu erreichen.
Was ja auch mein Resümee war. Nicht, dass Fireball “schlecht” wäre oder sowas – aber wenn ich mit einem konkreten Problem an eine Suchmaschine herangehe, dann will ich schnellstmöglich eine Antwort oder Lösung dafür.
Und das ist eben auch der Punkt, an denen die meisten gewisse Abstriche bezüglich Privacy und dergleichen machen. Einfach auch weil es ihnen gar nicht so als Problem oder sogar Gefahr bewusst ist. Soll doch Google von mir aus ein Suchprofil von mir erstellen. Ich habe nichts zu verbergen. Und wenn mir Google in Zukunft anhand dieser, meiner persönlichen Vorlieben sogar noch schneller noch bessere Ergebnisse liefern kann – ja, dann ist das doch sogar ein Vorteil für mich, weil ich dann wirklich auf mich zugeschnittene Ergebnisse bekomme?! Jeder bevorzugt doch eine individuelle Lösung gegenüber einem Standardpaket. Und wenn Google verstanden hat, dass ich zum Beispiel prinzipiell kein Interesse an Angeboten von ebay habe und mir diese unerwünschten Ergebnisse gleich von Haus aus ausblendet und ich deswegen auch nicht erst drüber hinwegscrollen muss – das ist doch subjektiv eine deutlich verbesserte Qualität der Suchergebnisse?
Ich denke, die Diskussion über Alternativen zu Google sind daher ähnlich wie die Diskussion über Alternativen zu Windows. Linux kann so elegant und sicher sein wie es mag. Und das Mac OS kann so schön und toll und überhaupt sein wie es mag. Aber de facto werden dennoch weiterhin die allermeisten Computer eben mit Windows verkauft und nicht mit diesen “Nischen-Betriebssystemen”. Einfach weil Windows für 99% der Leute einwandfrei funktioniert und ausreicht und weil es ein unerschöpfliches Angebot von Produkten dafür gibt. Wo man unter Linux oder Mac OS durchaus auch mal länger suchen muss, bis man ein Programm findet, das genau das macht, was man will – unter Windows findet man in den meisten Fällen schlagartig gleich zig Alternativen. Und diese Bequemlichkeit bezahlen viele eben auch gerne mit dem Risiko, dass Microsoft immer wieder der Verdacht vorgeworfen wird, Daten zu sammeln und Schindluder damit zu treiben und dergleichen.
Für Betriebssysteme wie auch für Suchmaschinen gilt daher meiner Meinung nach: wer auch immer das Quasi-Monopol brechen will, der kann und darf das nicht über die Argumentation tun, dass es einfach nicht sein darf, dass es nur Einen gibt und dass man deswegen aus Prinzip einen anderen Hersteller wählen muss – Marktanteile bekommt man nur über tatsächliche Qualität und Zufriedenheit der Benutzer und nicht über “auch wenn ich nicht ganz so gut bin, nimm mich, einfach um den Großen eins auszuwischen”.
Googles nahezu unschlagbarer USP ist und bleibt die Einfachheit und die Qualität der Suchergebnisse. Und da es in der Praxis ja auch noch keinen wirklichen Fall von Missbrauch personalisierter Daten bei Google gegeben hat – wieso sollte also genau das ein Killerargument sein, um Benutzer von Google zu anderen Suchmaschinen zu locken? Natürlich: sobald irgendetwas in dieser Richtung mal auftritt und sich ein entsprechender Skandal daraus erwächst – dann werden schlagartig viele freiwillig zu Alternativen wechseln. Aber so lange das nicht passiert (und Google betont ja auch immer wieder, dass sie das niemals missbrauchen werden), warum sollte ich also zu jemand anderem gehen, der mir etwas schlechtere Qualität liefert und dessen einziger Vorteil eben nur darin besteht, dass keine Daten über mich gespeichert werden?
Noch ein Vergleich zum Abschluss: Amazon ist wohl der mit Abstand führende Buchhändler nicht nur im deutschen Internet. Und auch dort werden fleissig Zahlen und Daten über mich gesammelt. Aber stört das die Besucher? Im Gegenteil freuen sich doch sogar viele über die personalisierten Empfehlungen. Wenn aufgrund meiner bisherigen Einkäufe Produktvorschläge entwickelt werden können, die mir auch gefallen dürften, dann sehe ich das doch sogar als Vorteil und nicht als bösen Missbrauch meiner Daten, oder etwa nicht? Wenn ich in einem echten Buchladen einkaufe, mich der Verkäufer mit der Zeit kennenlernt und mir aufgrund dessen beim nächsten Besuch eine Neuerscheinung ganz besonders ans Herz legt, weil mir doch dies und das auch gefallen hat – dann ist das doch der beste Service, den man sich im Offline-Geschäft nur vorstellen kann, oder? Also warum soll ich ein Online-Geschäft, das genau das gleiche macht, auf einmal für diesen Service verteufeln? Und wieso soll ich dann eigentlich zu einem anderen Geschäft gehen, wo ich diesen Service nicht bekomme und Fehlkäufe riskiere?
Wie gesagt: Service sells – und deswegen wird es so lange keine wirkliche Gefahr für Google geben, so lange es keine Suchmaschine gibt, die wirklich ebenbürtigen Service in Form von “guten” Ergebnissen liefert.
Und darum eben auch mein Resümee: Jungs, arbeitet an besseren Algorithmen, denn im Endeffekt geht es darum, dass ich als Suchender schnell wirklich gute Ergebnisse will. Was eben wie in den gezeigten Beispielen nicht unbedingt der Fall ist. Wenn ich nach einem konkreten Produkt suche und auf der Startseite eines Shops abgeladen werde, so dass ich dort erst selbst noch weiter rumsuchen muss, um ans Ziel zu kommen…? Warum sollte ich diese Suchmaschine nutzen? Vor allem: warum sollte ich das tun, wenn ich bei Google mit nur einem Klick sofort da lande, wo ich hin will?
Deswegen: nix für ungut, aber ich bleibe bei der Überzeugung, dass ich zwar einerseits auch kein Fan von Monopolen bin, dass aber Google meiner Meinung nach den Suchmaschinenmarkt völlig zu Recht so derartig dominiert und die Mitbewerber primär noch deutlich an ihrem Service arbeiten müssen, um daran etwas zu ändern.
Antworten
Markus, vielen Dank für Deine ausführlich Sellungnahme zu unseren FIREBALL-Visionen.
Deine Meinung bringt mich weiter.
Nun, natürlich sehe ich ein, dass es für einen SEO wichtig ist bei Google ein gutes Ranking zu erzielen. Allerdings hat Google im aktuellen Marktumfeld alle Trümpfe in der Hand und der SEO ist auf den Google Goodwill und seine Techniken angewiesen.
Nach meiner Meinung müsste die Unterstützung von Wettbewerb im Suchmarkt im Interesse von SEOs sein.
Auch gebe ich Dir recht in Bezug, dass die Qualität der Suchresultate für den Nutzer entscheidend sind.
Allerdings ist Qualität eine relative Sache.
Das ich immer öfters Content welcher Google gehört auf der ersten Suchseite finde, spricht nicht wirklich für Qualität. Sondern eher für Wettbewerbverzehrung welcher Deine Kunden benachteiligt.
Bei meinen diversen Meinungsumfragen mit angesehnen Instituten finde ich immer wieder heraus, dass ich finde was ich Suche. Unbewusst oder bewusst werden die Fragen so gestellt, dass man die erwarteten Antworten bestätigt bekommt.
Ein weiterer Grund, warum Qualität relativ wahrgenommen wird.
Coke und Pepsi schmecken unterschiedlich. Beide Getränkehersteller behaupten die bessere Qualität zu besitzen. Auch hier ist die Qualitätswahrnehmung unterschiedlich.
Microsoft hat seine Vormachtstellung nicht wirklich aufgrund besserer Produkte aber sicherlich aufgrund besserer Geschäftsstrategien und raschen Kopien erreicht.
Bei meinen gelegentlichen Apple Ausflügen kann ich keinen objektiven Qualitätsunterschied feststellen. Subjektiv aber schon. Wieder eine unterschiedliche Wahrnehmung.
Kernpunkt: Die Wahrnehmung macht die Differenz aus. Wir meinen mit Fireball ebenbürtige Resultate wie Google liefern zu können. Werden uns aber in naher Zukunft in Zusammenarbeit mit diesversen Webpartnern weiter verbessern.
Dein Einstellung zur Privatshäre finde ich erstaunlich. Das verknüpfen von Adressen mit meinen Googlesuchen halte ich für brandgefährlich. Hier werden auch von Dir und Deinen Freunden Akten angelegt – und die Akten sind in der Kontrolle einer privaten fianzoriertierten Unternehmung. Sicherlich kein sicherer Platz.
Diese Daten werden ohne Einwilligung der Nutzer gesammelt und verknüpft. Neben der Optimierung von Suchresultaten werden die Daten aber vorallem für finanzielle Unternehmungen genutzt – sprich Werbung.
Nun ich halte dieses Vorgehen von Google für respektlos und unethisch.
Kein Internetnutzer muss sich dies gefallen lassen. Darum braucht es eine oder mehrere Alternativen zu Google.
Noch ein wichtiger Punkte: Fireball wird seinen Content nie besitzen. Der Interessenkonflikt den eigenen Content eventuell besserem Content vorzuziehen ist zu riskant (siehe Google). Fireball steht für ein offenes und nicht monoploisiertes Internet.
Auf alle Fälle möchte ich mich bei Dir für die Gelegenheit zu diesem interessanten Meinungsaustausch bedanken. Den final geht es meist mehr um Meinungen welche Entscheidungen meist mehr beeinflussen als sogenante subjektive Fakten.
Gruss
Vincent
Antworten
seodiot Reply:
April 17th, 2009 at 15:22
Hallo Vincent,
jetzt habe ich mir wirklich viel Zeit mit einer Antwort gelassen – aber ich glaube, ich habe meine Gedanken und meinen Standpunkt zum Thema “Google spioniert mir nach und will nur Böses” in meinem neuesten Artikel recht gut auf den Punkte gebracht.
Und bitte nimm den letzten Abschnitt nicht persönlich. Du bist bei weitem nicht der erste, mit dem ich mich über dieses Thema schon in die Haare bekommen habe (wovon ich ja wirklich viele habe, harhar
).
Cheerio,
Markus
P.S.: Ihr habt die Suchergebnisse jetzt mit AJAX getuned? Aus Nutzersicht elegant und technisch unweigerlich cool – aber wie sehe ich als Website-Betreiber jetzt, mit welchen Suchbegriffen ich bei Euch Erfolg habe und wo ich also mehr machen könnte? Im Referrer-String finde ich keine Info dazu – oder bin ich nur blind?
Antworten
Noch ein kleiner Nachtrag zu der Qualität der Google Suchresultate:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,614339,00.html
Meinungen über Meinungen?!
Beste Grüsse
Vincent
Antworten
Ich kann nur bestätigen, dass ein halbwegs anständiges Listing bei Google im Top 20-Bereich weitaus mehr Traffic auf meine Website bringt, als ein Top 1 Listing bei Yahoo oder MSN.
Von daher werden sich Website-Betreiber immer dahingehend optimieren – auch wenn es ein mulmiges Gefühl hinterlässt, einem “Monopolisten” zuzuarbeiten.
Antworten
seodiot Reply:
April 18th, 2009 at 14:08
Jepp. Das Henne-Ei-Problem. Gerade bei Suchmaschinen gibt es wirklich sehr interessante und technisch verdammt clevere Ansätze (ich bin ja allein schon auf Wolfram Alpha gespannt), aber so lange sie nur von wenigen benutzt werden, sind sie für unser Business uninteressant…
Doch wie gesagt – vielleicht haben diese neuen Ansätze langfristig ja mehr Chancen gegen Googles Marktmacht als das Linux und MacOS gegen Windows auf den Desktop-PCs hatten.
Antworten
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