Hartmut Mehdorns Twitter – oder doch nicht?
Abgelegt unter: SEO-BasicsEin schönes, aktuelles Beispiel für den viel zu einfachen Identity Theft in Social Communities: http://twitter.com/hartmut_mehdorn. Zwar ist das wohl auch für Laien schnell als Satire und Fake zu erkennen – aber was, wenn das eben nicht so offensichtlich passiert, sondern mit wirklicher Energie zum Schaden derjenigen Person oder Unternehmung angegangen wird?
Jeder kann sich doch unter beliebigem Namen ein Profil anlegen und drauflos twittern, bloggen, myspacen und sonstigen Unfug anstellen. Und was geschieht erst, wenn das nicht wie in diesem Beispiel durch den angewandten Humor sofort als Fake ersichtlich wird, sondern wenn dort “echt” aussehende Infos veröffentlicht werden?
Zwar hängen die Börsenkurse noch nicht an den Tweets diverser Unternehmen oder ihrer Mitarbeiter – aber man kann ja auch viel subtiler vorgehen und langfristig wunderbar am Ruf sägen.
Ein ähnlicher Scherz passierte ja auch erst vor kurzem mit dem Dalai Lama. Angeblich legte das Büro seiner Heiligkeit einen Twitter-Account an, um die Welt mit buddhistischen Weisheiten zu versorgen und dergleichen. Das Styling war gut gemacht und die Tweets hatten durchaus Inhalt und Sinn – und innerhalb von nur zwei Tagen hingen über 20.000 Follower daran (ja, ich gestehe: ich auch). Glücklicherweise wurde auch dieser Fake schnell aufgedeckt, aber wohl auch nur wegen der extremen Prominenz des “Betrogenen”.
Denn was passiert denn, wenn das nicht mit jemandem vom Schlage Mehdorn, Dalai Lama, Angela Merkel, Horst Seehofer oder Michael Jackson gemacht wird, sondern mit einem durchschnittlichen, mittelständischen Unternehmen?
Wissen derartige Unternehmen überhaupt, dass es so etwas wie “Social Media” gibt? Wissen die, was man darüber machen kann? Wissen die, dass man das auch entsprechend missbrauchen kann? Und sind sie sich dessen bewusst, dass sie zumindest ein Auge auf möglichen Missbrauch haben sollten, wenn sie sich selbst schon nicht diesbezüglich engagieren?
Ich habe es oft mit Unternehmen zu tun, die alle diese Fragen mit “nein” beantworten müssen. Aber ohne jetzt apokalyptisch wirken zu wollen – ist das nicht etwas gefährlich?
Wo kein Kläger, da kein Richter. Wenn da draussen also jemand unter falschem Namen anfängt, ein Unternehmen oder eine einzelne Person über derartige Aktivitäten in Misskredit zu bringen, muss der/die Betroffene ja überhaupt erst mal Kenntnis davon erlangen. Denn wenn jemand als Herr Meier von der Firma “Meier’s Rohre” anfängt, potentielle Kunden zu vergraulen oder alte Kunden zu verprellen, werden die ja kaum zu Meier’s Rohre gehen und das sagen, denn das Ganze ist ja vermeintlich sogar von Meier’s Firma initiiert.
Es gibt daher nur eine wirksame Strategie dagegen: googeln, was das Zeug hält. Sicher ist das zeitaufwändig, aber eine Stunde im Monat könnte man sich schon mal die Zeit nehmen, um nach seinem Firmen- oder Produktnamen zu googeln und sich die ersten 100-200 Ergebnisse ein bisschen genauer anzusehen. Oder man googelt nach den Namen wichtiger Mitarbeiter. Also ohne sie ausspionieren zu wollen, aber wenn es Suchergebnisse von “Markus Uhl” gibt, die auf den SEOdioten ein schlechtes Licht werfen könnten, schadet es zumindest nichts, sich das Umfeld mal genauer anzusehen und festzustellen, ob das jetzt ein gänzlich anderer Markus Uhl und die Sache deswegen harmlos ist, ob der Kerl tatsächlich solchen Blödsinn macht und sich des Rufes wegen vielleicht etwas zügeln sollte – oder ob es eben vielleicht sogar eine gezielte Rufmord-Kampagne ist.
Ein Tool, das bei dem Ganzen übrigens sehr gut hilft, ist Google Alerts. Einfach einen Suchbegriff (d.h. den eigenen Firmen- oder Produktnamen) eingeben, festlegen wo gesucht werden soll und wie man benachrichtigt werden will – fertig. Und wer sowieso schon einen Feedreader benutzt, kann einen derartigen Alert auch mit seinem Google-Account verknüpfen und bequem als RSS-Feed bekommen.
Das ist zugegeben die unterste Stufe des Reputation Management – aber immer noch besser als die Augen komplett vor dieser möglichen Gefahr zu verschließen.
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