Du bist langweilig!!!

Ui – ein kurzer, aber wie ich finde höchst treffender Artikel, den Seth Godin da gerade zum Thema Langeweile geschrieben hat.

Und haben wir das Problem nicht alle schon mal gehabt? Da kommt jemand und will auf Platz 1 für einen Begriff – aber wenn man sich die Website ansieht, fragt man sich insgeheim ja schon, was der mit dieser Website da oben überhaupt will?

Da stößt man auf Websites, bei denen sogar der Steleman-Report noch interessanter ist als die gebotenen Produktbeschreibungen. Blogs und ähnliche Konstrukte, die an Banalität und Belanglosigkeit kaum zu überbieten sind. Bilder, die mit einer unbeschreiblichen Lieblosigkeit geknipst wurden. Einfach nur Standard-Produkte, keine Highlights, keine Bestseller, nichts was auch nur ein klein wenig aus dem konservativen Einheitsbrei herausragt. Eine Startseite, die den Eindruck eines aus tiefstem Herzen gähnenden Portiers vermittelt. Und überhaupt nur eine virtuelle “Grabbelkiste” im Stile eines Ramschladens – hier sind die Produktregale, also bedien Dich und sei zufrieden damit. Weil man will ja nicht riskieren, auch nur einen einzigen Besucher zu verschrecken, ihn vor den Kopf zu stoßen oder überhaupt Aufsehen zu erregen.

Solche Websites werden es aber schwerer und schwerer haben. Nicht, weil Google sie dafür “bestrafen” würde. Nein, der Markt an sich wird sie bestrafen. Es gibt nahezu kein Feld mehr, in dem man der alleinige Anbieter im Netz ist. Früher reichte es tatsächlich, einfach seinen Bauchladen im Internet aufzuhängen und ein wenig mit Plakaten und Zurufen zu arbeiten. Aber heute sind die potentiellen Käufer verwöhnt. Erfolgreiche Websites wie Amazon oder ebay oder Quelle oder Tchibo haben die Messlatte verdammt hoch gesetzt. Weswegen auch mehr und mehr andere Anbieter langsam dahinter steigen und sich um genau diesen USP Gedanken machen, den eine erfolgreiche Website ausmacht.

Wer anders ist, der sticht heraus. Wer heraussticht, bekommt Aufmerksamkeit. Und wer Aufmerksamkeit bekommt, kassiert dafür Besucher und Links. Und wer viele Links kassiert, der kann die Suchergebnisse dominieren.

Bevor also irgendjemand überhaupt nur daran denkt, mit Hilfe von SEO gezielt an seinen Platzierungen zu schrauben, sollte er/sie sich wirklich Gedanken um das Alleinstellungsmerkmal machen. Irgendetwas, was die Besucher zu einem “geil, tolle Site – da komm ich wieder vorbei!” verleitet. Denn je deutlicher das vorhanden ist, desto leichter fällt auch einem SEO die Arbeit. Gerade wenn es um das immer wichtiger werdende Link Building geht. Wie soll man denn auch eine “just another boring shop”-Site an den Mann bringen? Wer verlinkt auf so etwas freiwillig? Wenn kein Mehrwert vorhanden ist, außer dass vielleicht der Preis stimmt – warum sollte ein Webmaster ausgerechnet diese Seite dann seinen Besuchern empfehlen?

Als Folge bleibt für solche Projekte nur eine mindestens genauso langweilige Herangehensweise. Also das Eintragen in Webverzeichnisse, Artikelverzeichnisse, Linklisten, Linktauschbörsen – und natürlich gekaufte Links von irgendwoher. Und dann ist am Ende aber natürlich der SEO schuld, wenn diese Website versagt. Denn egal, ob die Platzierungen dadurch steigen oder ob man ohne Google Penalty durchkommt – wenn der Umsatz fehlt, weil die Website einfach zum Einschlafen langweilig ist und die Leute lieber woanders hingehen, wo sie mehr “unterhalten” werden, ist ja dennoch immer der SEO schuld.

Also Leute – denkt bei Euren Websites doch mal über diesen Aspekt nach. Warum ist genau Eure Seite wirklich so toll, dass sie sich eine Top-Platzierung bei Google verdient?

Und das Wichtigste von allem: belasst es nicht einfach dabei! Stellt Euch diese Frage ruhig in regelmässigen Abständen. Seht Euch bei Euren Mitbewerbern um. Was findet Ihr an deren Websites cool? Was nicht? Macht Ihr etwa den gleichen Fehler? Und könnt Ihr die coolen Aspekte der Konkurrenz – nun ja, nicht unbedingt gleich kopieren, aber zu eigenen Ideen und Umsetzungen weiterentwickeln?

Bleibt nicht stehen! Geht weiter Euren Weg! Stillzustehen ist der Langeweile Anfang! Nur wer in Bewegung bleibt, erregt auch Aufmerksamkeit und wird wahrgenommen! Seid offensiv! Seid extrovertiert! Seid verrückt! Seid abgefahren! Riskiert es, auch mal das Tagesgespräch zu sein! Seid einfach anders als andere!

Gut, bleibt nur noch ein einziges Problem: wer aus tiefstem Herzen heraus tatsächlich ein langweiliger Mensch ist, wie soll der jemals über diesen, seinen Schatten springen…? Simpel: sieh es entweder ein, lass dieses Business sein und geh lieber wieder an Dein langweiliges Fließband zurück – oder organisier Dir gefälligst jemand, der dieses nötige “Feuer” hat! Denn Du selbst wirst den Laden wohl niemals wirklich auf große Beine bekommen – also vergiss diese Idee oder gestehe Dir wenigstens ein, dass Du dazu entsprechende Hilfe von jemandem geeigneten brauchst.


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2 Kommentare zu “Du bist langweilig!!!”
Rudi 29. Januar 2009 um 09:26

Du hast absolut recht, es denken sehr viele in erster Linie an Marketing, Links und Platzierungen (die Einträge in Bookmarkverzeichnisse etc. sind natürlich wichtig) und übersehen, dass die Inhalte auf der Strecke bleiben. Dabei kann man ja gerade damit seine Besucher binden und sich nachhaltig nach vorne schieben in den Verzeichnissen. Aber was das “Feuer” angeht, möchte ich widersprechen, denn ein sehr dröger Mensch kann dennoch eine spannende Website füllen, wenn es sich um ein Spezialgebiet handelt, auf dem er sich wirklich auskennt.

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seodiot Reply:

Da hast Du völlig recht – aber im Endeffekt entwickelt er darin ja auch nur sein “Feuer”. Man kann ja offen zugeben, dass sicher jeder von uns schon solche Menschen kennengelernt hat. Rein zwischenmenschlich denkt man sich “gähn” – aber sobald es dann um sein Fachgebiet geht, hat er was zu erzählen und taut etwas auf und bis man sich versieht, hat man dann doch ein interessantes Gespräch geführt.

Die Sache ist eben nur die, dass viele sich dessen gar nicht bewusst sind. Also dass sie auf ihrem Fachgebiet echt was zu sagen haben und das oft auch noch so tun, dass sie Leute zwar nicht zu Ovationen hinreissen, aber dass sie zumindest interessiert zuhören. Allein das Bewusstsein dafür, dass man in einer solchen Situation ja “was drauf hat”, kann dann schon dazu führen, dass man es beim nächsten Mal automatisch noch besser und mit noch mehr (weil bewußtem) Engagement macht. Ob das nun das direkte Kundengespräch ist oder ob es ums Texten geht – mit diesem Wissen im Hinterkopf geht es einfach viel leichter und das Ergebnis ist üblicherweise viel besser als wenn man mit der Einstellung “boah, jetzt MUSS ich das machen…” rangeht…

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