Google Chrome jetzt schon keine Beta mehr?

Lese ich da richtig? Google Chrome ist jetzt schon aus dem Beta-Stadium raus?

Und tatsächlich – nach einer Aktualisierung zeigt er wirklich schon Versionsnummer 1.0.154.36 an. Und die Eins am Anfang heißt ja wohl bei Projektnumerierung, die den Konventionen folgt, tatsächlich “Release”. Das ging aber echt flott…

Wobei: warum eigentlich auch nicht, denn es ist ja wirklich alles drin, was man so braucht. Also zum Arbeiten mit Web-Anwendungen. Zum richtig Spaß haben und surfen und vor allem zum analysieren meiner Projekte habe ich ja den Firefox mit all seinen echt nützlichen Add-Ons. Vor allem mit dem AdBlocker, der mir und meinem Provider inzwischen sicher schon das Runterladen von hunderten Megabyte an “unnützer” Werbung erspart hat.

Jaja, ich weiß: jetzt kommen sicher gleich wieder die ganzen “Aus-Prinzip-Antis” und kommentieren von wegen “Datenkrake”, “Privacy-Bedenken”, “es gibt doch Opera” und so weiter. Aber lasst Euch sagen: ich habe echt auf sowas wie Chrome gewartet. Ich brauche und will für meine Intranet- und Extranet-Anwendungen keinen voll aufgeblasenen Browser mit allem Schnickschnack und Bells and Whistles wie die Amerikaner immer so schön sagen. Alles, was ich dafür brauche ist genau so ein schlankes, ultraschnelles und robustes Werkzeug wie Chrome.

Natürlich ging es auch vorher. Logisch, dass wir auch mit Firefox, dem IE oder sogar Opera und Safari und Haumichtot unsere Projektverwaltung und dergleichen bedienen konnten. Aber es geht alles eben um so vieles schneller mit dem Chrome. Es fühlt sich einfach wirklich eher nach einer nativen Windows-Applikation an als das mit diesen normalen Browsern der Fall ist.

Außerdem lässt sich bei unserem Job nun mal nicht vermeiden, dass man am Tag mal mehrere hundert Websites aufrufen muss und der Browser deswegen vielleicht doch irgendwann mal *Tilt* macht, abraucht und dabei den in einem anderen Tab noch laufenden laufenden Job eines Intranet-Tools mit in den Tod reißt. Also alles wieder von vorne. Nicht so jedoch bei Chrome. Da stirbt jedes Tab für sich, aber der Rest bleibt am Leben. Perfekt.

Will sagen: wer aus Prinzip nicht will, der muss ja auch nicht. Aber dann hackt doch bitte auch nicht immer so negativ auf uns Befürwortern rum. Ich für meinen Teil muss nämlich sagen, dass Google genau das geschafft hat, was sie sich laut ihren Aussagen vorgenommen hatten und das ich dank vieler Sanduhr-Momente ebenfalls schon herbeigesehnt hatte: ein Framework, um damit die immer anspruchsvolleren Web-Applikationen der heutigen und vor allem nächsten Generation(en) sauber und schnell laufen zu lassen. Denn wer damals aufmerksam die ganzen Infos seitens Google gelesen hat: etwas anderes war und ist auch nicht Ziel dieses Projektes. Chrome soll kein Spaß-Browser werden. Also natürlich schon irgendwie, aber eher sekundär. Primär soll er ein Werkzeug für Web-Applikationen sein, nicht für die ganzen Flash-verseuchten Entertainment-Websites. Genau diese Tatsache wird nämlich bei der ganzen Diskussion in meinen Augen immer vergessen. Da wird von Privatsphäre der unbedaften Home-User gesprochen und möglichen Sicherheitslücken bei Online Banking und was weiß ich alles. Aber der kleine Mann in seinem Wohnzimmer da draussen SOLL den ja auch gar nicht unbedingt benutzen. Zumindest nicht als wirklicher “Chrome” – was die Open Source Gemeinde aus dem Core noch zaubert und welche Browser daraus noch entstehen, ist ja wieder was anderes. Das ist jedenfalls das, was ich aus den Infos seitens Google herausgelesen habe – wer da etwas anderes liest, ist herzlich eingeladen, mir seine Interpretation zukommen zu lassen.

Ob es bei Chrome jetzt noch die Möglichkeit für Add-Ons gibt oder ob die darunterliegende HTML-Engine jetzt bei dieser oder jener CSS-Orgie noch einen Pixel falsch macht oder nicht, ist mir persönlich daher auch wirklich schnuppe. Für mich ist und bleibt dieser extrem schlanke Chrome der Browser für unsere ganzen eigenen Tools sowie Google Mail, Analytics, KW-Research und so weiter. Dafür ist er gebaut und das kann er verdammt überzeugend gut.

Und natürlich bin ich jetzt gespannt, wie sich Firefox und Co weiterentwickeln. Für den 3er FF soll ja ebenfalls eine ultraschnelle JavaScript-Engine entwickelt worden sein. Und war da nicht sogar auch was mit diesem separaten Prozess-Modell für die einzelnen Tabs? Schließlich arbeitet ja ein großer Teil der Firefox-Entwickler bei Google oder umgekehrt, je nachdem wie man es betrachten will. Und deswegen wäre es ja dumm, wenn dieses Wissen da nicht mit einfließen würde.

Ach – wir werden es sehen. Aber selbst wenn das dann Chrome wieder “überholen” sollte – Respekt gebürt Google meines Erachtens insofern dafür, dass sie sich überhaupt als erste wirklich ernsthafte Gedanken über die Featuritis, Performance und Stabilität der im Kern inzwischen doch schon uralten, historisch gewachsenen Browser gemacht und einen grundlegend anderen Ansatz entwickelt und umgesetzt haben.

Was denkt Ihr denn über diesen neuen “Stern am Werkzeug-Himmel”? Wer von Euch arbeitet denn schon mit Chrome? Schade – jetzt wenn ich es Dicke hätte, könnte ich ja einen Preis für den ersten mit Chrome geschriebenen Kommentar auf dieses Posting aussetzen… :(


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