Die SEO-Entwicklungen für 2009

Allerorten wimmelt es im Moment nur so von Interviews und Prognosen zu den “SEO-Entwicklungen 2009″. Nun, den SEOdioten hat zwar (glücklcherweise ;) ) keiner gefragt, aber er wird dennoch mal seinen (süßen Hendlmeier-)Senf dazu abgeben…

Zuerst einmal finde ich es interessant, was man überhaupt genau unter “SEO-Entwicklungen” verstehen soll? Geht es um die reinen Techniken? Oder geht es eher um die Art der Projektabwicklung? Oder gar um veränderte Anforderungen an SEOs und neue Aufgabengebiete?

Hier mag jeder für sich anhand seiner Situation entscheiden. Viele da draussen sind ja Einzelkämpfer, die das für eine einzige Website machen, ob nun direkt bei dem Unternehmen angestellt oder von ihm in (freiberufliche) Ketten gelegt. Etliche andere sind “Springer”, die sich als Berater mit oder ohne “Hands on” von Projekt zu Projekt schlängeln, meistens aber gerade immer nur ein Projekt in Vollzeit bearbeiten. Und wiederum andere sind in Agenturen tätig, die sich zwar auch von Projekt zu Projekt schlängeln, die aber nicht nur eines, sondern mehrere gleichzeitig betreuen, viele davon auch langfristig.

Der SEOdiot ist in der letzten Gruppe zu Hause, weshalb die Frage nach den anstehenden Entwicklungen auch entsprechend vorbelastet beantwortet wird.

Ich sehe das SEO der Zukunft in erster Linie mehr denn je als eine Vermittlerrolle zwischen Marketing, Technik und Vertrieb. Wir müssen fit sein, was den Aufbau und Betrieb einer Website angeht, weil die meisten CMS- und Shop-Systeme einfach immer noch viel zu viele Ranking-Dämpfer eingebaut haben oder zumindest nicht wirklich optimal ausgeliefert werden. Von Eigenentwicklungen ganz zu schweigen. Wir müssen dem Vertrieb beiseite stehen und ihn auf den Stand der Zeit bringen, was neue Vertriebskanäle wie Twitter oder überhaupt Social Media angeht, weil die einfach eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Platzierungen haben. Und wir müssen natürlich vor allem sehr eng mit dem Marketing zusammenarbeiten, um deren Power zum Texten zu nutzen, um ihnen umgekehrt “Copywriting” im Sinne der Suchmaschinen beizubringen, um zusammen mit ihnen Link Baits zu planen und umzusetzen, um zusammen mit ihnen starke Links aufzubauen und natürlich um das ganze Analytics und Reporting zu machen, das die Geschäftsleitung interessiert – und in den allermeisten Fällen wird eine SEO-Agentur ja auch immer noch aus dem Marketing-Budget bezahlt, also sollten wir sowieso so oft wie möglich mit ihnen Kaffee trinken und leckeren Kuchen zur “Bestechung” mitbringen.

Was haben wir uns da nur aufgehalst? ;)

Im Ernst. Die Zeiten, in denen man mit ein bisschen HTML-Kenntnis und einer großen Schnauze (Link Building) so ziemlich jede Website für so ziemlich jeden Begriff in die Top Ten schießen konnte, sind ja schon lange vorbei. Ausnahmen bestätigen natürlich immer noch die Regel und derartige Angebote werden auch in Zukunft noch ihre Daseinsberechtigung haben, aber gerade wenn Google jetzt verstärkt die Themen Regionalisierung und vor allem Personalisierung angeht, wird unsere Arbeit immer schwerer und vielfältiger, weil es nicht mehr nur rein um erreichte Platzierungen gehen kann. Womit aber auch alles abwechslungsreicher und anspruchsvoller wird. Was im Endeffekt dann sogar noch mehr Spaß machen wird als früher, denn die Herausforderungen werden immer größer und wer hat schon wirklich was gegen interessante Abwechslung im Beruf?

Ich sehe daher ähnlich wie das bereits manche Namen in der Szene geäußert haben, langsam die Notwendigkeit einer gewissen Splittung sogar innerhalb der SEOs an sich. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft sozusagen. Thinker und Worker. Thinker werden immer mehr damit beschäftigt sein, Analysen durchzuführen, darauf aufbauend wirkliche Konzepte zu entwerfen, sie auszuarbeiten, mit den ganzen am Projekt beteiligten Menschen zu kommunizieren und die Fortschritte zu überwachen. Wohingegen Worker immer wichtiger für die eigentliche Umsetzung werden, also die Keyword-Recherche, HTML, sonstige Programmierung, Link-Recherche, Link Building an sich und dergleichen. Alles zusammen in einer Person zu vereinen wird besonders im Projektgeschäft einer Agentur immer schwerer werden, einfach weil jeder Mensch nur begrenzte Ressourcen bieten kann, die Arbeit aber immer mehr wird. Also selbst wenn die Anzahl der Projekte gleich bliebe, werden ja die bei einer Optimierung zu berücksichtigenden Punkte, Aspekte und Möglichkeiten immer vielfältiger und brauchen einfach mehr Zeit. Wie gesagt: früher stöpselte man ein paar schöne Seiten zusammen, schrieb ein paar Webmaster an, um Links zu kassieren und das wars. Heute muss man sich allein schon vor einer Optimierung erst mal recht viele Gedanken machen und umfangreiche Analysen fahren, um später mit den für diesen Fall geeignetsten Werkzeugen an eine Verbesserung der Situation zu gehen.

Denn die Werkzeuge werden ja auch immer mehr. Reine On-Site-Geschichten wie eine saubere Navigation mit Suchbegriffen, gute interne Verlinkungsstruktur, Keywords im Title, unique Descriptions, H1-Tags, Keywords im Text und dergleichen sind ein alter Hut. Für Nischen reicht das auch allemal aus. Aber je wettbewerbsintensiver die Keywords werden, desto mehr muss man in die Werkzeugkiste packen: umfangreiches Link Building, Social Media, Link Baits, Cross-Media-Marketing, Conversion Rate Optimierung, A/B-Testing, Usability…

Womit wir einfach komplett den Bereich verlassen, der früher als SEO bezeichnet wurde: hier ist meine Website, jetzt mach mal in Deinem stillen Kämmerchen und in zwei Wochen sind wir in den Top Ten.

SEO der Zukunft wird sehr interdisziplinär sein und gutes Geschick für Koordination und Kommunikation wird immer wichtiger werden. Denn weil eine einzelne Person all diese Arbeiten für mittlere und größere Unternehmen eigentlich gar nicht mehr zufriedenstellend alleine ausüben kann, müssen stattdessen eben Teams für ein derartiges Projekt gebildet und geführt werden – vom SEO, der in der Mitte zwischen allen Beteiligten steht und dessen Aufgabe es ist, dass alle Fraktionen im Sinne besserer Platzierungen bzw. mehr Traffic vorangehen.

Daher wird unser Spezialwissen auch nach wie vor gefragt sein, denn ein Marketing-Mensch wird nicht notwendigerweise ein Gespür für gutes Copywriting haben, das auch in Suchmaschinen gut ankommt. Ein Techniker wird nicht notwendigerweise alle wichtigen Voraussetzungen für gute Platzierungen kennen, denn er muss schließlich in erster Linie überhaupt erst mal dafür sorgen, dass die Website “irgendwie” läuft, was gerade bei komplexeren, selbstprogrammierten Systemen schon eine Lebensaufgabe für sich sein kann. Und ein Vertriebler hat zwar vielleicht ein generell gutes Verkaufstalent, weiß aber eben überhaupt nicht mit den neuen Communities und dergleichen umzugehen.

SEO wird also immer weiter weg von der reinen “Suchmaschinen”-Optimierung gehen – hin zu immer mehr “Internet Marketing”-Optimierung. Also ein ganzheitlicher Ansatz, der das gesamte Online-Spektrum abdeckt. Holistisch sozusagen. Auch wenn Marketing Guru Joe Hall sagt, dass Holistisches SEO für Hippies ist. :D

Ich freu mich jedenfalls sehr auf diese Entwicklung. Und ihr?

1 Kommentar zu “Die SEO-Entwicklungen für 2009”
Jürgen 28. Dezember 2008 um 14:34

Hey, klasse Artikel.
Ich sehe es ähnlich. Die Grundtechniken beherrscht jeder. Onpage ist daher nicht mehr der Gewinnbringer.
Wichtig sind die Netzwerke, die man sich selber schafft um gute Links zu bekommen, viele follower zu haben …! Ebenso wichtig ist die Analysefähigkeiten des SEO. Man muss Trends erkennen und Logdateien lesen können. :-)

Dein Blog gefällt mir. Wanderst in meinen Feed.

Gruß und guten Rutsch!
Jürgen

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