Die 10 Gebote, wie Du Deinen SEO garantiert in den Wahnsinn treibst

Jegliche Ähnlichkeit mit ehemaligen oder bestehenden Kunden und Projekten ist nicht beabsichtigt und rein zufälliger Natur. Aber da es inzwischen einfach viel zu viele Optimierer auf dem Markt gibt, muss über kurz oder lang doch auch mal eine natürliche Selektion stattfinden. Die laut Darwin ja immer darin besteht, dass nur die (psychisch) Stärksten überleben. Deswegen hier also eine Anleitung, wie man als Unternehmen aktiv an diesem Evolutionsprozess unter den SEOs teilhaben kann.

1. Erwarte ruhig Wunder
Ein Suchmaschinenoptimierer kennt alle Geheimnisse von Google bis ins letzte Detail. Er weiß haargenau, wie Du garantiert auf Platz 1 selbst für die umkäpftesten Begriffe kommst. Und das wird er auch für Dich tun. Er legt mit seinen magischen Fingern einfach einen Schalter um und über Nacht bist Du mit Deiner Website für diesen Begriff von Null auf Platz 1. Egal, wie Deine Website aussieht und egal, wer sich um Platz 1 streitet. Denn das ist sein Job. Und das allerschönste daran: er wird das tun, ohne daß Du Dich weiter auch nur ein Krümelchen selbst um irgendwas kümmern musst. Denn ein SEO hat schließlich seinen Abschluss in Hogwarts gemacht und kann mit Hilfe der dort erlernten Techniken sogar das Such- und vor allem Klickverhalten beeinflussen.

2. Bau Dein gesamtes Geschäft auf Platzierungen auf
Google ist der größte Marktplatz dieser Welt. Also wieso wirfst Du dann eigentlich noch Geld für andere “Werbung” raus? AdWords sind doch Unsinn, weil niemand drauf klickt – und wer drauf klickt, ist nur ein Mitarbeiter Deines Konkurrenten, der Dein Budget verbraten will. Werbebanner guckt sowieso kein Mensch mehr an. Newsletter nerven die Empfänger doch nur. Und Print-Anzeigen, Plakate oder sogar Radio- oder TV-Werbung und ähnliche Kampagnen – nein, also von all diesem Geld hast Du persönlich wirklich mehr, wenn Du es in einen neuen Firmenwagen oder einen Urlaub investierst. Also konzentrier Dich (oder eigentlich: Deinen SEO) einfach darauf, dass Du mit Deinen zwei, drei Haupt-Keywords bei Google auf Platz 1 bist. Alles andere ist doch Mumpitz und bringt eh nichts.

3. Prüfe mehrmals täglich Deine Platzierungen
Gerade wenn Du Punkt 2 beherzigst, musst Du Dich natürlich auch mehrmals täglich versichern, dass Deine Website tatsächlich noch auf Platz 1 steht. Du hast ja schließlich auch die Zeit dazu. Der Laden brummt, Deine Angestellten machen die ganze Arbeit – es gibt für Dich also eigentlich nichts mehr weiter zu tun. Nimms also jamaikanisch und vergiss einfach das “Morgen”. Sorge Dich nicht – lebe den Tag! Aber vergiss eben auf keinen Fall, ein wachsames Auge auf die Platzierungen zu haben!

4. Lass Dir jede einzelne Platzierungsveränderung erklären
Da Du ja Punkt 3 befolgst, wird Dir natürlich auch jede einzelne Schwankung in der Platzierung sofort, binnen weniger Minuten auffallen. Und weil Du darüber hinaus ja auch Punkt 2 in Deine Strategie eingebaut hast, hat natürlich vor allem jede Verschlechterung Deiner Platzierung auch eine massive Auswirkung auf Deinen Umsatz. Nimm so etwas also nicht einfach hin. Frag deswegen am besten jedesmal Deinen SEO, was da los ist und warum das jetzt passiert ist, auch wenn das dreimal am Tag passiert. Siehe Punkt 1: dank seines Hogwarts-Diploms kann er Dir immer und sofort eine befriedigende Antwort geben.

5. Akzeptiere ausschließlich Besucherzahlen als Maßstab
Wir alle wissen doch, dass Platzierungen alleine nicht wirklich das Maß der Dinge sind. Denn eigentlich zählen doch nur die daraus resultierenden Besucherzahlen. Mehr Besucher bedeuten automatisch mehr Geschäft. Und wenn nur jeder tausendste Besucher etwas bei Dir kauft, ist doch nur logisch, dass man für doppelt so viel Umsatz also auch einfach nur doppelt so viele Besucher braucht. Wenn die Website daher für Dein Empfinden zu wenig Umsatz bringt – hol einfach Deine Peitsche raus und sporne Deinen SEO dazu an, Deine Platzierungen noch weiter zu verbessern, um eben noch mehr Besucher zu bekommen. Besinne Dich dabei unbedingt auch auf Punkt 1: Dein SEO kann und wird für Dich zaubern, denn seine Fähigkeiten sind unbegrenzt! Stell Dir nur vor, was damit alles möglich ist: selbst wenn ein Begriff nur 1000mal im Monat gesucht wird, kann er dank der vielen Unterrichtsstunden in “Psychoaktiver Optimierung”© das Bedürfnis bei der Menschheit erwecken und Dir 2000 Besucher pro Monat über diesen Begriff bescheren. Lass Dich also nicht von so hochtrabenden Begriffen wie “Conversion Rate” oder “A/B-Testing” oder “Usability” verwirren und von Deinen mit Punkt 3 verbundenen Tätigkeiten ablenken. Das ist alles nur Gelaber von Leuten, die sich viel zu wichtig nehmen und Dir das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Besucherzahlen sind und bleiben das einzige Kriterium, das zählt.

6. Mach Deinen SEO persönlich verantwortlich
Man kann es nicht oft genug wiederholen: denke an Punkt 1! Ein SEO hat gottgleiche Macht, wenn es um Suchmaschinenplatzierungen geht. Weswegen Du ja überhaupt auch erst Punkt 2 folgst. Dein Geschäft liegt also vollkommen in seiner Hand. Und deswegen ist er allein und höchstpersönlich für Erfolg oder Misserfolg Deines Unternehmens verantwortlich. Also zeige ihm das. Lass ihn ruhig deutlich spüren, wie sehr Du ihm vertraust und wie sehr Du ihn brauchst, denn das ist schließlich auch gut für sein Ego. Das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden und damit einen echten Sinn im Leben zu haben, kann ungeahnte Glücksgefühle auslösen, die einen Menschen zu noch mehr Leistung anspornen. Aber mach genau deswegen auch niemals den Fehler, ihm irgendein Zeichen zu geben, das ihn dazu bewegen könnte, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Er ist es schließlich, der einzig und allein für das weitere Wachstum Deines Unternehmens verantwortlich ist. Und Wachstum brauchen wir alle. Immer. Die bloße Stabilisierung einer Position ist nichts anderes als Stillstand. Und Stillstand ist in unserem Wirtschaftssystem nun mal gleichbedeutend mit einem Rückschritt. Ergo: sporne Deinen SEO immer wieder zu neuen Höchstleistungen an, denn nur er kann Dich weiter voranbringen!

7. Verfüge frei über Deine Website(s) und ihren Inhalt
Dir gefällt Dein Domain-Name nicht mehr? Dann zieh doch einfach um! Du glaubst, dass eine bestimmte Sektion Deiner Website sowieso uninteressant ist oder einfach zu viel Arbeit macht, die eh keinen Umsatz bringt? Dann lösch sie doch! Du hast von einem neuen, viel cooleren Content Management System oder einem neuen Shop-System gehört, das dieses oder jenes besser als Dein altes macht? Dann wechsle! Du hast einen neuen Grafiker an der Hand, der Dir einen Vorschlag für ein neues, umwerfend-geniales Design für Deine Website unterbreitet hat? Dann setze es um! Aber mach bitte niemals den Fehler, Deinen SEO vorher mit derartigen Überlegungen zu belästigen. Damit störst Du ihn nur. Schließlich ist er ja in Vollzeit damit beschäftigt, seine ganze mentale Kraft in den geistigen Verbindungsstrahl zu Google zur weiteren Steigerung des PR (Psycho-Rank©) Deiner Seite zu widmen, der ja direkt die Platzierungen bestimmt. Und jede Ablenkung bringt ihn da nun mal nur raus, weil er dazu diese geistige Verbindung zu Google unterbrechen muss. Und wer am meisten und ausdauerndsten Kraft in diesen PR steckt, der regiert nun mal auch die Suchergebnisse. Gib Deinen Mitbewerbern also keine Chance, Dich nur deswegen zu überholen, weil Du Deinen SEO von dieser Tätigkeit ablenkst. Kurze Auszeiten machen nicht viel aus, denn auch SEOs müssen mal für kleine Königstiger oder brauchen Nahrung oder müssen ihren Akku über Nacht wieder aufladen. Aber so grundlegende Fragen wie “was hältst Du aus SEO-Sicht von dieser Idee?” bringen ihn unnötig lange aus dem Konzept, weil er darüber nachdenken muss. Also setze solche Sachen einfach um und gib ihm erst anschließend Bescheid. Jeder SEO ist flexibel genug, um die geänderten Tatsachen sofort in seiner Arbeit zu berücksichtigen und Dich damit konstant auf Deiner Platzierung zu halten. Schließlich hängt diese ja sowieso nur von der magischen Verbindung zu Google ab, nicht aber von so Sachen wie Domain-Namen, technischer Umsetzung oder sogar sowas Banalem wie den Inhalten. Wer Dir jemals etwas anderes erzählt, hat nur einfach noch nicht verstanden, wie Divine SEO eigentlich funktioniert.

8. Lass den Schuster bei seinen Leisten!
Ein SEO ist ausschließlich für Deine Platzierungen bei Google verantwortlich. Für etwas anderes wurde er in Hogwarts nicht ausgebildet und deswegen hat er auch keine Ahnung von irgendetwas anderem. Wenn Dir Dein SEO also mit Ideen und Vorschlägen kommt, in deren Beschreibung nicht deutlich das Wort “Platzierung” vorkommt, dann hör am besten gleich wieder weg und sag einfach am Schluss entweder gleich “nein, das kommt für uns nicht in Frage” oder zumindest sowas wie “da werde ich mal drüber nachdenken”, ohne aber jemals wieder auf dieses Thema zurückzukommen bzw. bei einem Nachhaken seinerseits dann eben die Idee abzuschmettern. Denn man bedenke Punkt 6: Dein SEO will einfach nur wie jeder Süchtige seinen Ego-Kick steigern, den er von Dir bekommt. Wahrscheinlich hat er diese Idee also nur irgendwo aufgeschnappt und will sich bei Dir damit weiter profilieren. Oder er wurde übermütig, weil Du ihm schon zu viel Kick verschafft hast und er jetzt den Bezug zur Realität etwas verloren hat, was seinen Platz in der Nahrungskette angeht. Also bring ihn in einer solchen Situation am besten schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Er soll sich ja schließlich auch nicht stundenlang mit irgendwelchen Hirngespinsten beschäftigen, sondern gefälligst seinen geistigen PR-Strahl zu Google aufrecht erhalten.

9. Bleibe konservativ!
Trends kommen und gehen. Und viele gehen schneller als sie kommen. Deswegen bleibt nur eines wirklich konstant: Google. Also zumindest hat sich Google ja wirklich so weit etabliert, dass die Suche darüber nicht mehr aus dem Internet wegzudenken ist. Mach Dir also deswegen nicht die Mühe, Energie in irgendwelche dieser “Hypes” zu investieren. Blogs sind nur für Möchtegern-Journalisten oder Selbstdarsteller. Twitter ist nur ein billiger Ersatz für SMS-Süchtige. Digg und Yigg und alle anderen Nachrichtenportale sind nur Plattformen, auf denen sich SEOs untereinander austauschen, die aber keinen “normalen Menschen” auch nur ansatzweise interessieren. MySpace und Facebook und diese ganzen Communities sind ausschließlich für private Zwecke interessant (Selbstdarsteller!), also was willst Du als Unternehmen da? Man könnte die Liste beliebig fortführen – aber allen diesen Trends gemein ist: sie sind nichts für so seriöse Unternehmen wie Deines. Also lass Dir nichts Gegenteiliges einreden und denke an Punkt 8. Wenn Dir Dein SEO also mit irgendwelchen Ideen zu diesen Hypes kommt, will er damit wohl ausschließlich seinen eigenen Spieltrieb ausleben. Sag ihm daher deutlich, dass sich diese Sachen ja sowieso nicht messbar im Umsatz niederschlagen können und dass er sich deswegen gefälligst wieder auf die Google-Platzierungen konzentrieren soll.

10. Bleibe die Schaltzentrale
Viele haben schon den Fehler gemacht, einen SEO zu tief in das Unternehmen eindringen zu lassen. Natürlich ist es der ureigenste Drang jedes SEOs, genau das zu tun, Deine Firma zu infiltrieren und sich immer unverzichtbarer zu machen. Denn wie wir weiter oben schon festgestellt haben, strebt er ja suchtgleich nach der Steigerung des emotionalen Kicks, den er durch die weitere Steigerung seiner Verantwortlichkeit erhält. Aber wenn Du ihn direkt mit Deinen Website-Entwickler sprechen lässt, wird er sie nur mit Begriffen aus dem Marketing verwirren. Und wenn er Kontakt zum Marketing bekommt, wird er diese Leute umgekehrt nur total aus dem Konzept bringen, weil er sie mit technischen Begriffen überschüttet. Das allerschlimmste was Du tun kannst, ist allerdings, ihn mit dem Vertrieb in Berührung kommen zu lassen. Denn den wird er mit Begriffen aus beiden Genres durcheinanderbringen und Deinen Verkäufern sowieso nur so Flöhe ins Ohr setzen wie “Blogs und Social Communities als vertriebsunterstützende Maßnahmen”, was Deine Leute aber wiederum nur von ihrer eigentlichen Tätigkeit des Verkaufens ablenken wird. Lerne also aus den Fehlern anderer und bleibe der einzige Ansprechpartner für den SEO. Sammle alle Informationen, die Du von ihm bekommst, wäge sie ab und verteile nur an Deine Leute, was Du persönlich als wichtig und zielführend erachtest. Gib auch umgekehrt nur das an Feedback von Deinen Leuten an den SEO zurück, was Du persönlich als wichtig erachtest und was Du selbst verstehst. Zu viel Kommunikation ist nicht gut. Und Kommunikation, die an Dir vorbeigeht, ist sowieso immer schlecht und führt nur zu einem Wildwuchs an Informationen, die kein einzelner Mensch mehr verarbeiten kann. Bleib also die Schaltzentrale für diese Informationen und trete sowohl innerhalb des Unternehmens als auch gegenüber Deinem SEO als alleinige Quelle für sie auf. Mach Dich dadurch selbst zu einem unabkömmlichen Teil des Erfolges – denn schließlich brauchst Du ja auch selbst diesen Kick der Verantwortung und des daraus resultierenden Daseins-Sinnes, den Dein SEO von Dir bekommt.

Natürlich erhebt diese Liste keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Kreative Geister finden sicher noch unzählige weitere, subtile Maßnahmen. Ich freue mich daher auf entsprechende Ideen in den Kommentaren…


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2 Kommentare zu “Die 10 Gebote, wie Du Deinen SEO garantiert in den Wahnsinn treibst”
Dein schlechtes Gewissen 23. November 2008 um 18:05

Hallo SeoDiot,

ich finde, du hast etwas vergessen … dass der Kunde immer nur daran denkt, dass ‘DU’ ihm mit solchem Firlefanz eh nur die Kohle aus dem Taschen ziehen möchtest, sobald du ihm mit Vorschlägen kommst, von denen ER meint, dass sie nix mit SEO zu tun haben.

Aber ansonsten sehr schön zusammengeschrieben ;)

Antworten

[...] SEOBook – wie man SEO in einem Unternehmen wirklich tief im Bewußtsein verankern kann: http://www.seobook.com/baking-seo-workflow Das gefällt mir! Das beste Wissen und die tollsten technischen, analytischen und magischsten SEO-Fähigkeiten nutzen Dir ja nix, wenn Du im Unternehmen stehst und keiner hört Dir zu oder stellt auf stur, weil seine Pfründe angegraben werden oder man nur einfach neidisch auf eine andere Abteilung schielt. Suchmaschinenoptimierer brauchen daher wirklich definitiv psychologisches Wissen (vgl. dazu auch die Gedanken zur natürlichen Selektion). [...]

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