Warum Unternehmen auf Social Communities verzichten (können?)

Sehr interessant – bei Rubicon Consulting bin ich auf eine aktuelle Studie zum Thema Online-Communities und überhaupt meinungsbildende Websites und ihre Bedeutung für Unternehmen gestoßen.

Demnach ist das beste, was Unternehmen tun können, genau das, was sie derzeit tun: gar nichts. Klar. Das weißt Du im Marketing schon lange, dass das rausgeworfenes Geld ist. Denn Du hast es schließlich selbst probiert. Hast gemyspaced, hast geyoutubed, hast getwittert, gediggt, geyiggt und ge-delicioused, hast gefacebookt, hast vielleicht sogar gesecondlived und gebloggt. Du hast Dich mit zig Plattformen rumgeschlagen, hast Stunden um Stunden damit verbracht, um überhaupt hinter den Clou des Ganzen zu kommen, Friend Lists aufzubauen und Dir News und Bulletins und Teasers und sonstwas aus den Fingern zu saugen. Und wen hats interessiert? Keine Sau.

Richtig. Das interessiert auch wirklich keinen, wenn Du als Unternehmen Dich selbst beweihräucherst.

Aber: liest Du hier – und guckst Du!

Die Studie hat nämlich gezeigt, dass Kaufentscheidungen nach dem direkten Hörensagen an zweiter Stelle maßgeblich durch die Verrisse Meinungen, Reviews, Testberichte und sonstige Informationen von anderen Menschen im Web gemacht werden. Und damit sind nicht die offiziellen Hersteller-Informationen gemeint, die man auf Deiner Website, in Deinen Corporate Blogs und sonstigen Veröffentlichungen findet. Nein, damit ist unter anderem genau so etwas gemeint wie das hier, das Du gerade liest: Blogs von wildfremden Menschen. Und Social Communities.

Das andere Problem ist, dass die Masse stumm ist. 70% der Nutzer machen niemals ihr Maul auf, sondern lesen ausschließlich das, was die etwa 10% aktiven Inhalte-Schreiber (huch – ich bin ja selber so einer?!) produzieren.

Also ist es nicht verwunderlich, daß Du mit Deinen bisherigen Versuchen nicht die erhoffte Resonanz hattest. Vielleicht hast Du ja tatsächlich ein paar der Voyeure erreicht und die haben Dich besucht. Aber das Gros dieser Menschen hast Du persönlich mit Deinen Aktivitäten nie erreicht. Denn die lesen lieber andere Quellen. Unabhängige Quellen. Etwas, wo nicht Dein Firmenname draufsteht. Denn die wollen Erfahrungen mit dem Produkt, die aus dem realen Leben stammen, keine Science-Fiction aus der Marketing-Abteilung.

Sollten Dir daher die Blogosphere und Social Communities wirklich egal sein? Denk noch kurz darüber nach, während Du weiterliest.

Sehr interessant finde ich nämlich auch die Tatsache, dass laut der Studie zwar natürlich der Blick ins Handbuch auf Platz 1 der Aktivitäten zur Problemlösung steht (Häh? Was für Memmen! Handbücher sind doch für Pussies!), dass das aber dicht gefolgt wird von der Lösungssuche im Internet. Erst lange danach kommt ein Benutzer überhaupt auf die Idee, bei Dir auf der Website im offiziellen Support nachzusehen oder sogar anzurufen bzw. eine Email zu schreiben.

Was lernen wir also daraus?

Erstens ist es wirklich wichtig, das Internet im Auge zu behalten. Also was den Ruf Deines Unternehmens und Deiner Produkte angeht. Denn wenn gerade in den ersten 20-30 Suchergebnissen für Deinen Produktnamen oder Kombinationen mit anderen Begriffen (“Review”, “Test”, “Meinung”…) genau die Leitwölfe auftauchen, die einfach kein gutes Haar an Dir bzw. Deinem Unternehmen / Produkt lassen – tja, was glaubst Du wohl, wie dann die Entscheidung dieser 80% potentiellen, aber stummen Käufer ausfallen wird, die sich online informieren? Also solltest Du so etwas entdecken: tu etwas dagegen! Was genau? Nun – der SEOdiot muss auch von was leben, also frag mich das bitte per Email. ;)

Zweitens solltest Du nicht mit Support-Informationen geizen. Je mehr Du rausgibst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand diese Hilfe in seinem Blog oder über Communities verbreitet. Denn aus Erfahrung muss ich auch sagen, dass die allermeisten Support-Websites oder FAQs und dergleichen absolut nicht suchmaschinenfreundlich sind und auch nicht mit vertretbarem Aufwand so hingebogen werden können. Allein schon die unmöglich hohe Anzahl an möglichen Begriffen, die da abgedeckt werden muss, weil jeder sein Problem anders beschreibt. Wenn aber 100 Leute bei Dir angerufen, das Problem gelöst haben und selbst darüber schreiben, kannst Du Dir recht sicher sein, dass sie das in ihren eigenen Worten tun. In Worten, die andere bestimmt genauso suchen. So nebenbei: fragen Deine Hotliner eigentlich beiläufig danach, ob der Anrufer die Möglichkeit hat, darüber zu berichten? Warum eigentlich nicht? Diese Frage kostet 20 Sekunden mehr. 20 Sekunden, die auf lange Sicht nicht nur Deine Hotline entlasten, sondern auch Deinen Ruf als “hilfsbereit” und dergleichen stärken.

Drittens: nur weil Deine Hotline Zeit hat, um Tee zu trinken und Untersetzer zu klöppeln heißt das noch lange nicht, dass Dein Produkt so erfreulich fehlerfrei ist! Da der Weg zu Dir der letzte ist, den Kunden mit einem technischen Problem einschlagen, kann es sehr gut sein, dass einfach ein paar findige Köpfe das Problem recht schnell selbst gelöst und darüber geschrieben haben – und die Mehrheit der Kunden mit dem gleichen Problem ist nur einfach so fit mit Google, dass sie deren Lösungen gefunden haben, bevor sie dann doch ratlos den Weg zu Dir antreten.

Also: auch wenn Du daran gescheitert bist, wirklich aktiv was in der Blogosphere und in Social Communities zu machen – betrachte sie nicht als wertloses Gelände sondern kümmere dich passiv drum! Hab ein Auge darauf, was andere über Dich schreiben und suche ggf. den Kontakt mit ihnen. Aber behandle sie nicht wie kleine Kinder, indem Du sie einfach komplett ignorierst.

Der geneigte Studien-Freak kann sicher noch mehr detaillierte Erkenntnisse aus dem Papier von Rubicon ziehen. Aber das sei erst mal jedem selbst überlassen. Hier soll es bei dieser wichtigsten Kernaussage bleiben.


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